Hinweise: Der Artikel "Struktur und Dynamik des Kosmos
- Wandlungen des Weltbildes und der Spiritualität - Kant, Darwin,
Einstein, Teilhard de Chardin" von Ludwig Ebersberger in "Christ in der
Gegenwart" ist auch weiterhin aufrufbar und ausdruckbar über:
Link zu: Kardinal
Ratzinger zum
Thema "Evolution" , zit. aus Artikel in FAZ Jan.2000 mit Stellungnahme
Ebersbergers sw. Antwortschreiben des Kardinals und jetzigen Papstes
BENEDIKT XVI.
Eine ausführliche Zusammenfassung der
Teilhard-Problematik von Dr.Mathias Trennert-Helwig, Domdekan in
Konstanz, finden Sie unter dem Link:
Eine ausgezeichnete Biographie Teilhards finden Sie ferner unter
der Adresse:
Link zu Aktuelle
Bücher
Aktuelles: Die Lesegruppe München der Gesellschaft Teilhard de Chardin beklagt den Verlust ihres Leiters Herrn Dipl.Phys. Gerhard Gelfert der am 19.8.d.J. plötzlich und völlig unerwartet im Alter von nur 60 Jahren verstorben ist, und widmet ihm folgenden Nachruf: . Von Adalbert Stifter ist das Wort überliefert: das größte Geschenk für den Menschen ist - der Mensch! Sind wir daher dankbar dafür, dass wir unseren lieben Gerhard haben durften, denn gerade er war ein ganz besonderes Geschenk mit seiner unbändigen Liebe zum Sein, zum Leben, zum All, und damit auch zu unserer sichtbaren materiellen Welt, die – wie dies das Wort ma-te-ri-ell eigentlich schon aussagt – unser Mutterboden ist. Und sie bedeutete für ihn nicht nur das. Er betrachtete sie für etwas uns Anvertrautes, etwas zu Gestaltendes, als einen Prozeß, in welchem unter unsäglichem Sich-Mühen und Erdulden die Saat und das Material für die neue, künftige Welt in Realität tritt. Diese unbedingte Liebe zur Welt – vielen fundamentalistischen Theologen noch immer etwas höchst verdächtiges – trieb ihn lebenslang um und führte ihn zu mannigfachen Aktivitäten mit einem Impetus und einer geradezu schon barock zu nennenden Intensität, die zuletzt die ihm gegebenen körperlichen Möglichkeiten überstieg. Gerhard hatte zutiefst jene neue dynamische Weltsicht verinnerlicht, deren Fazit Romano Guardini gegen Ende seines Lebens kurz und bündig in folgende Worte kleidete: „Früher konnte man meinen, der Christ habe eine Aufgabe in der Welt. Heute wissen wir, dass die Welt seine Aufgabe ist.“ Möge das große Geschenk, das uns mit Gerhard zuteil geworden ist, uns stets in dankbarer Erinnerung präsent bleiben. Inzwischen hat die Teilhard-Freunde ein weiterer schwerer Verlust getroffen: Am 5. September 2008 verstarb Dr. phil. Günther Schiwy im Alter von 76 Jahren. Wir verdanken
ihm eine ganze Reihe wichtiger Schriften zum Thema Teilhard, mit welchen
er sich zum bei weitem wichtigsten Künder und Deuter von dessen Werk
im deutschen Sprachraum machte. Vor allem verdanken wir ihm ein zweibändiges
Werk über das Leben Teilhards und seine Zeit, zahlreiche weitere
Schriften befassen sich mit Teilhards speziellen Themen. Mit viel Temperament
und Ésprit vertrat er Teilhards Weltsicht auf zahlreichen Lehrveranstaltungen
und Tagungen. Von 1952-1970 Jesuit, arbeitete er später als Verlagslektor
und freier Schriftsteller.
Veranstaltungshinweise: Am Mittwoch, dem 10.12.08 findet
in der Hochschule für Philosophie in München, Kaulbachstraße
33, ein Vortragsabend statt unter dem Thema ""Zum Evolutionsbegriff bei
Teilhard de Chardin - worin er Darwin (nicht) Recht gibt.
Die münchener Leseabende finden auch weiterhin statt.
Näheres ist zu erfahren über die angegebenen Kontaktadressen
Lesetreffen der Teilhard-Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen finden statt jeweils am 2.Dienstag jedes Monats um 17 Uhr im Seniorenzentrum St.Maria, Schwalbengasse 3, 50667 Köln. Termine: 9.9.; 14.10.: 11.11.; 9.12.2008 Offene Vortragsreihe der Kolpingsfamilie Köln-Porz
Zurückliegende Ereignisse:
Spielt Gott mit uns oder wir
mit Ihm? – Die kreativen Spielregeln der Evolution,
P r o g r a m m Fr. 15. 2. 2008
Das Wochenendseminar 2008 über Teilhard
de Chardin im Kloster Heiligkreuztal bei Riedlingen war dem Thema: „Teilhard
de Chardin als (Natur)-Mystiker"
Das Lebenswerk des Naturwissenschaftlers und Priesters Pierre Teilhard
de Chardin (1881-1955) kann ohne seine naturmystische Dimension nicht verstanden
werden. Besonders in der ersten Schaffensperiode während des Ersten
Weltkriegs führte die mystische Verstehenshaltung zu jener Komposition
des Weltverstehens, die bis heute viele Leser fasziniert.
Am Do., 6. September 2007
um 19.30 Uhr fand im Domforum Köln
TEILHARDS PUNKT OMEGA UND DAS ZUKUNFTSPOTENTIAL DER
EVOLUTION - WIE NATURWISSENSCHAFT
UND GLAUBE ÜBER DIE ZUKUNFT SPRECHEN
26. September 2007 15.00 – 17.00 Uhr
Die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
veranstaltete am 29/30, September
2007 im Tagungszentrum Hohenheim, 70599 Stuttgart
eine Tagung unter dem Titel:
Am Samstag, dem 1.12.07 veranstaltete die Gesellschaft der Freunde
christlicher Mystik einen Studientag zum Thema WIE
IST ZUKUNFT MÖGLICH? Referenten: Dr.
Helmut Etzold (Biologe) und Dr.Ludwig Ebersberger (Mediziner) aus Erlangen
Am Freitag, dem 7.12.07 fand von 11-13 Uhr in MÜNCHEN,
Benediktinerabtei St. Bonifaz, Karlstr. 34 ein FORUMGESPRÄCH statt
zum Thema NATURWISSENSCHAFT UND
RELIGION BEI TEILHARD DE CHARDIN statt.
Das Wochenendseminar 2007 über Teilhard
de Chardin im Kloster Heiligkreuztal bei Riedlingen war dem Thema: „Teilhard
de Chardin und das wissenschaftliche Weltbild als Hintergrund des Schöpfungsglaubens"
Weitere Hinweise: Adresse der Homepage der Deutschen Gesellschaft Teilhard de Chardin: http:/www.Teilhard-Gesellschaft.de. E-mail Adresse zu deren Sektion "Gesellschaft Teilhard de Chardin in Nordrhein-Westfalen": TeilhardNRW@web.de. E-mail - Adresse zu derem Vorsitzenden; Guttenbergerkoeln@t-online.de -. Links hierzu und zu weiteren Kontaktadressen s. unter: Kontaktadressen Fenster der Taufkapelle der kath.
Pfarrkirche Maria am Waasen in Leoben an der Mur mit Teilhard-Symbolik
("Das Herz der Materie"). NEU:
Kirchenfenster
in Ellwangen mit Papst Johannes XXIII und TeilhardLink:
#Das
Herz der Materie
vom 24.-26. Januar 2007 fand das 12. Bad Honnefer Winterseminar statt zum Thema: Nimmt die Welt ein Ende?
Kurt Roessler
Montag, 12. Februar 2007, 20.00 Uhr
- die entsprechenden Kapitel aus dem Erwachsenen-Katechismus: Ursprung
und Paradies, Ursünde und Erbsünde der Menschheit, die Heilshoffnung
der Menschheit
7.-8. Januar 2006
09.12.2005 bis 11.12.2005
Die Katholische Akademie in Bayern, 80802 München, Kardinal
Wendel Haus, Mandlstr. 23, veranstaltete von Montag, dem 10.Oktober
bis Freitag, dem 14.Oktober eine Philosophische Woche mit dem
Thema:"Herausforderung Intelligent Design - Neuer Streit um die Evolution"
In Zusammenarbeit mit dem Verein Naturwissenschaft und Glaube e.V. und der Gesellschaft Teilhard de Chardin in NRW e.V. lud der Bund Neudeutschland (Westregionen des KMF) für den 12./13.Nov.2005 ein zu einem Bildungswochenende in der Tagungsstätte des Dominikanerklosters Walberberg, 53332 Bornheim. Thema: Christogenese oder die Evolution Gottes in seiner Schöpfung - 50 Jahre nach dem Tod des Mystikers Teilhard de Chardin. Referenten:Dr.Gerd Weckwerth, Köln, Prof. Ulrich Lüke, Aachen, Dr.Paulus-Thomas Weber, Walberberg, Pater Hans Joachim Rennkamp, Neunkirchen Anmeldung über "KMF im Bund Neudeutschland", Gabelsberger Str 19 50674 Köln Tel. 0221 942018-50 Fax: 0221 942018-99 Weiteres s. www.nugev.de Hierzu gaben die Veranstalter folgenden Bericht:: Teilhard de Chardin hat einen einzigartigen Versuch, Glauben und Naturwissenschaften miteinander zu verbinden, unternommen. Er verknüpfte insbesondere die Evolutionstheorie mit dem christlichen Glauben. Christus sehnt sich danach, dass sich die Liebe Gottes durch uns in dieser Welt zunehmend entfalten und ausbreiten kann, ja im ganzen Kosmos zur Geltung kommt. Teilhards Gedanken wurzeln in seiner tiefen, mystischen Gotteserfahrung. Aus diesem Blickwinkel wollen wir uns beim diesjährigen Treffen der Westregionen in der Tagungsstätte Walberberg mit einigen Aspekten des Lebens und des Werkes von Teilhard de Chardin auseinandersetzen: durch theoretische Grundlegungen, im persönlichen Austausch in kleinen Gruppen und bei einer literarisch - musikalische Hinführung in das „vertikale Hören“, durch die uns die kosmische Dimension unseres Lebens näher gebracht werden kann. Am Freitag, dem 25.11.05 sprach Dr.Günther Schiwy zum Thema: Mystik und Naturwissenschaft in der Benediktiner-Abtei St. Bonifaz, München, Karlstr. 34, Am Dienstag, dem 10.Mai sprach Dr.Gerd Weckwerth,
Physiker an der Univ. Köln, im Domforum Köln zum
Thema "(R)evolution in Naturwissenschaft und Glaube -
die weltbildliche Bedeutung von Albert Einstein und Pierre Teilhard de
Chardin 50 Jahe nach derem Tod 1955" . Das
Vortragsmanuskript mit zahlreichen Abbildungen ist abrufbar über www.nugev.de
Das Kardinal König Haus,Bildungszentrum der Jesuiten in Wien, wurde am 3/4.Juni 2005 Teilhards de Chardin anlässlich seines 50. Todestages mit einer Tagung gedacht. Thema: „Was ist Kirchlichkeit?“ Es sprachen: Dr.Günther Schiwy, Steinebach/Wörthsee, Buchautor,
Biograph Teilhards
Hierzu ging uns folgender Bericht zu: Teilhards ,,.Leben in der Kirche" - so das Referat von Dr. Günther
Schiwy - gab den Rahmen vor, in dem die heutigen Probleme mit der Kirche
diskutiert wurden. Viele in der Kirche engagierte Teilnehmer teilten die
Erfahrung Teilhards: Kirchlichkeit in einer evolutiven Welt muß sich
dadurch auszeichnen, daß sie auch in der Kirche die notwendigen Entwicklung
der Verfassung, der Dogmen und der Moral anmahnt, damit die Kirche ihre
Rolle als Avantgarde der fälligen Globalisierung übernehmen kann.
Mittel und Wege einer solchen kritischen Kirchlichkeit sind individuell
verschieden, sie reichenvon Teilhards Devise "Evolutionär, aber treu"
bis zum revolutionären Protest. Wichtig fiir die Beurteilung von Kirchlichkeit
scheint Teilhards Unterscheidung zu sein zwischen dem "Christischen" als
der tatsächlichen Gegenwart Gottes des Evolutors in jedem Geschöpf,
dem ,,Religiösen" als eines allgemeinen Bewußtseins dieser Gegenwart,
dem "Christlichen" als der Identifizierung des Evolutors mit dem Offenbarer
Christus und schließlich dem "Kirchlichen" als der Organisationsfonn
der im Namen Christi die Evolution Vorantreibenden. Die Globalisierung
erfordert das Zusammenwirken aller Menschen - welcher Entwicklungsstufe
des religiösen Bewußtseins auch immer - soll Gottes Absicht
mit der Schöpfung gelingen: die ,.Heilige Hochzeit" zwischen Schöpfer
und Geschöpf durch die Evolution der Liebe.
Am Samstag, dem 18.6.05: Öffentliche Fachtagung zum 50.Todestag von Albert Einstein und Pierre Teilhard de Chardin in der Jesuitenhochschule für Philosophie in München/Kaulbachstraße 31. Thema: Zufall oder Sinn? Die Ordnung des Universums als Herausforderung. Referenten : Prof. Chr. Kummer S.J.
(
Weitere Hinweise auf Veranstaltungen und Berichte Ausführlicher
Bericht vom Europäischen Teilhard-Colloquium in Straßburg 2003
Referate zu aktuellen Themen:
Aphorismen:
Gesellschaft Teilhard de Chardin für den deutschen Sprachraum. Kontaktadresse Kontaktadressen der französischen Gesellschaft Teilhard de Chardin Hyperlink: http://www.teilhard.org sowie Kontaktadressen ähnlicher Arbeitskreise und Oganisationen ImpressumWeitere Hinweise auf Veranstaltungen und BerichteVom 8.5 - 11.5 Internationales Teilhard-Kolloquium in Clermont-Ferrand. Nähers hierüber ist zu erfahren über die französische Teilhard-Gesellschaft; Berichte werden erwartet. Hyperlink: http://www.teilhard.orgBericht von der Seminartagung der Teilhard-Gesellschaft aus Anlaß der Feier des 40. Jahrestages ihrer Gründung am 6.12.03Bericht von der Tagung der Katholischen Akademie in Bayern zum Thema: Abschied vom christlichen Menschenbild? Herausforderungen und Konsequenzen der Neurobiologie. Kardinal Wendel Haus München am 25./26. Oktober 2002. Eindrücke und Reflexionen von Ludwig EbersbergerBericht vom Teilhard-Seminar der Deutschen Gesellschaft Teilhard de Chardin vom 19.-21. April 2002 im Kloster Ottobeuren.
"Was hat das Universum mit mir zu tun? - Von Sorgfalt und Verantwortung" Prof. Lesch ging in seinemVortrag zunächst davon
aus, daß der modernen Astrophysik die Hypothese zugrundeliegt, daß
die Naturgesetze, die wir auf Erden "entdeckt" haben, im gesamen Universum
gültig sind. Wenn das so sein sollte - und keine Beobachtung bis heute
widerspricht dieser Hypothese, - dann müssen intelligente Lebewesen
daraus Konsequenzen ziehen.Aufgabe der Naturwissenschaften ist die Suche
nach Naturgesetzen und deren ständige Überprüfung und Erweiterung.
Aber wie sind die gefundenen Naturgesetze zu deuten? Sind wir dem Universum
egal, oder steckt mehr dahinter? Der Vortrag spannte den Bogen vom kosmischen
Ursprung des Menschen bis hin zur Frage der Sorgfaltspflicht für die
Schöpfung und der Verantwortlichkeit in den Problemfeldern, in denen
uns die Naturgesetze keine klaren Vorgaben machen.
|
Teilhard de Chardin1881 - 1955Jesuitenpater und erfolgreicher Paläontologe,Künder derKompressionsphase, Planetisation, Vernetzung und kosmischen Verantwortung der Menschheit ...... wurde wegen der Brisanz seiner Themen und Einsichten durch seinen Orden und seine Kirche lebenslänglich unter Veröffentlichungsverbot gestellt,und auch in seiner zweiten Heimat, den Natur- wissenschaften, ist sein Name heute noch weitgehend tabuisiert,...da Theologie und Naturwissenschaften sich noch immer voreinander fürchten und einander wechselseitig daran hindern, Dinge zu sehen, die man ganz einfach sehen muß ...Für ihn wurde hier einFORUM TEILHARDIANUMzuletzt aktualisiert am 26.November 2008Teilhard-Zitat des Monats:Ich glaube, in der Welt des irdischen Lebens vollzieht sich etwas Großes, von Gott gewolltes, von Gott erwartetes, das dazu dienen soll,, das neue Jerusalem zu bauen.
Für das Verständnis von Struktur und Dynamik des Universums sind diese beiden Sätze nicht weniger wichtig als Einsteins Äquivalenzfor- mel E = mc2verantwortlich: Dr.med.Ludwig Ebersberger und Dr.rer.nat.Helmut Etzold. Kommentare, Diskussionsbeiträge, Stellungnahmen, Vorschläge etc. an: L.Ebersberger@t-online.de oder an die im Impressum angegebenen Post- Telefon- oder Fax- Adressen.
Einführende Worte der Herausgeber: Ludwig Ebersberger: Wir sind Zeitzeugen jenes ungeheuren und einmaligen
Augenblickes in der Geschichte der Menschheit, da diese sich dessen
bewußt zu werden beginnt, daß sie von nun an unwiderruflich
und bis ans Ende aller Zeiten unter Einigungszwang stehen wird.
Unumgänglich notwendig hierfür sind Umorientierungen grundsätzlicher Art sowohl in der Theologie, die sich, um die religiöse Dimension dieses Einigungszwanges überhaupt wahrnehmen zu können, aus den Denkzwängen des 16. Jh. befreien muß, als auch in den Naturwissenschaften, die in Fragen der Welt- und Daseinsorientierung weitgehend noch in den Vorurteilen des mechanistischen Weltbildes verharren, und in der Philosophie, die endlich von der längst ausdiskutierten Frage „Wie ist Erkenntnis möglich?" zur Frage „Wie ist Zukunft möglich?" übergehen sollte. Letzterer ist - abgesehen vielleicht von Hans Jonas, und in Ansätzen auch Konrad Lorenz, Karl Popper und Hoimar v. Ditfurth - bisher nur Teilhard de Chardin mit der erforderlichen Konsequenz nachgegangen, und zwar - entgegen vielerorts herrschenden Meinungen - in wissenschaftstheoretisch korrekter und stringenter Weise. Warum aber wurde es für ihn so schwierig, Resonanz zu finden? Warum stieß er auf Unverständnis, wo man ihn doch eigentlich sofort und unmittelbar hätte verstehen müssen? Warum gehört er zu den heute fast vergessenen Theologen, obwohl seine Vorhersagen sich schon jetzt mit geradezu beängstigender Konsequenz zu bewahrheiten beginnen? Hierzu ein Wort Teilhards:„Wir träumen mitten in 20. Jahrhundert noch immer von einer Welt, in welcher der Einzelne in den Fortschritten der menschlichen Gemeinschaft lediglich ein immer besser werdendes Sprungbrett sieht, von dem aus er sich in eine gänzlich unabhängige und «individualistische» Lösung des Lebensproblems flüchten kann. Es ist dies eine ... Einstellung, derzufolge das Ende der Welt jeweils nichts anderes wäre als das Ende eines jeden Teilchens Bewußtsein, in seiner Absonderung, in seiner verbindungslosen Einsamkeit gegenüber allen anderen Teilchen. Und weil unser Blick von diesem Blendwerk gefangen ist, das uns die Illusion gibt, Fülle und Überfluß warteten auf uns, lassen wir aus Widerwillen oder Empörung die zweite, völlig andersgeartete Möglichkeit außer acht - eine Möglichkeit, deren ersten Zeichen sich jedoch überall häufen, sei es nun auf wirtschaftlichem, politischem oder philosophischem Gebiet. Diese Vorzeichen weisen darauf hin, daß die Gemeinschaftsbildung keineswegs dabei ist, sich bequem zu bescheiden und unserem privaten Nutzen unterzuordnen, wie wir uns so gerne einreden möchten, daß sie vielmehr unentwegt und allen sichtbar vorwärtsschreitet auf dem Wege einer nicht mehr aufzuhaltenden Vereinigung" (in „Die Entstehung des Menschen", Mchn.1961 S.103)Helmut EtzoldWir brauchen eine tiefere Gründung und den Glauben an ein Gelingen Die Meinung scheint inzwischen landläufig
zu werden, dass Leben einschließlich intelligentem Leben nur eine
vergängliche Hervorbringung und kuriose Randerscheinung der Welt ist,
eine Anomalie und vorübergehende Störung im Ablauf der Natur,
die von ihrem toten Substrat überdauert und ewigem Vergessen anheim
fallen wird, wie auch das Anorganische einer Zukunft des „ewigen Verendens“
entgegengeht. Dies muss denen wohl schlüssig erscheinen, die einen
Aphorismen: Thomas von Aquin (1224-1274):" ... offenbar falsch ist die Meinung derer, die sagen, es mache für die Wahrheit des Glaubens nichts aus, was einer von der Schöpfung denke, wenn er nur von Gott die rechte Meinung habe. Denn ein Irrtum über die Schöpfung wirkt sich aus in einer falschenn Meinung von Gott.""Falsche Vorstellungen über die Schöpfung führen zu falschen Vorstellungen über Gott" "Die Erkenntnis des Glaubens setzt die natürliche Erkenntnis voraus." "Gott erschuf eine Vielheit von Dingen, damit das, was von seiten des einen fehlt, von seiten eines anderen ergänzt werde." "Jedes Endliche wird durch Hinzufügung eines anderen größer." "Sein ist Einssein."
Papst Johannes Paul II. : "Die Kirche ist nicht eine
in sich selbst geschlossene Wirklichkeit, sondern fortwährend offen
für die ... Dynamik, da sie in die Welt gesandt ist ... alle und alles
in Christus zu vereinen ..."
Teilhard de Chardin (1937):"... 'Liebt einander'. Vor zweitausend Jahren sind diese Worte gesprochen worden. Heute aber klingen sie mit einem sehr anderen Ton wieder in unseren Ohren. Jahrhunderte hindurch konnten Liebe und Brüderlichkeit als Codex der sittlichen Vollkommenheit dargestellt werden oder auch als eine praktische Methode, die Reibungen und Mühsale des irdischen Lebens zu verringern. Doch seit sich unserem Geist einerseits die Existenz der Noosphäre und andererseits die vitale Notwendigkeit eröffnet hat, vor der wir stehen, wird die sprechende Stimme gebieterischer. Sie sagt nicht mehr nur: 'Liebt Euch, um vollkommen zu sein", vielmehr fügt sie hinzu: 'Liebt Euch, oder Ihr geht zugrunde'... "Das einzige "Tor in die Zukunft"
liegt "in Richtung einer gemeinsamen Leidenschaft", einer "Konspiration".
"Wir nähern uns ... trotz aller Fehlschläge und Unwahrscheinlichkeiten
einem neuen Zeitalter, in dem die Welt ihre Ketten abwerfen wird, um sich
endlich den Kräften ihrer inneren Affinitäten zu überlassen"
Max Scheler (1874-1928):... nur in dem Maße wird das "Sein-durch-sich" zu einem Sein, das würdig wäre, göttliches Dasein zu heißen, als es im Drange der Geschichte der Welt im Menschen und durch den Menschen die ewige deitas verwirklicht ... und nur im selben Maße kann dieser ... Prozeß seinem Ziele, der Selbstverwirklichung der Gottheit, näherrücken, als das, was wir die "Welt" nennen, der vollkommene Leib der ewigen Substanz geworden sein wird.(in "Die Stellung des Menschen
im Kosmos" 1928)
Teilhard de Chardin: "Wir brauchen uns nicht den Kopf
darüber zu zerbrechen, wie die gewaltige materielle Größe
des Universums jemals vergehen könnte. Es genügt, dass der Geist
sich umkehrt, dass er den Bereich wechselt, damit sich sofort auch das
Gesicht der Welt ändert," (in "Mein Universum" 1924)
Konrad Lorenz: „Wer an einen Gott glaubt - und
sei es an den
Sigmund Freud (1931): "... die Kultur" ist "ein besonderer
Prozeß,der über die Menschheit abläuft ... ein Prozeß
im Dienste des Eros, der vereinzelte menschliche Individuen, später
Familien, dann Stämme, Völker und Nationen zu einer großen
Einheit zusammenfassen" soll ... "diese Menschenmengen sollen libidinös
aneinander gebunden werden, die Notwendigkeit allein, die Vorteile der
Arbeitsgemeinschaft werden sie nicht zusammenhalten. Diesem Programm der
Kultur widersetzt sich aber der natürliche Agressionstrieb des Menschen
... den wir neben dem Eros gefunden haben, der sich mit ihm in die Weltherrschaft
teilt. Und nun, meine ich, ist uns der Sinn der Kulturentwicklung nicht
mehr dunkel. Sie muß uns den Kampf zwischen Eros und Tod, zwischen
Lebenstrieb und Destruktionstrieb zeigen, wie er sich an der Menschenart
vollzieht. Dieser Kampf ist der wesentliche Inhalt des Lebens überhaupt,
und daher ist die Kulturentwicklung kurzweg zu bezeichnen als der Lebenskampf
der Menschheit ..."
Joh. G. Fichte (1762-1814): "... es ist die Bestimmung unseres
Geschlechtes, sich zu einem einzigen, mit sich selbst bekannten und
allenthalben auf die gleiche Weise ausgebildeten Körper zu vereinigen;
die Natur und selbst die Leidenschaften und Laster des Menschen haben von
Anfang gegen dieses Ziel hingetrieben; es ist schon ein großer Teil
des Weges zu ihm zurückgelegt."
Albert Einstein: "Die wichtigste Frage, die man
sich im Leben stellen kann, lautet: ist das Universum ein freundlicher
Ort oder nicht?"
Karl Popper: "Pessimismus ist verantwortungslos" I
"Es ist die Geschichte einer Evolution. Wir fügen in unser Taufbild eine Zeitdimension ein ... Die unsichtbare Macht, die wir Gott nennen, gießt - wie Wasser aus einer Schale - aus dem Nichts vor ca. 13 Milliarden Jahren die Evolution aus. Diese tastet sich durch Jahrmilliarden von der unbeleben Materie über erste primitive Lebensformen und schließlich immer höher entwickelte Organismen bis zm Menschen vor. In einem sehr präzisen Sinne ist das Leben in jedem Menschen Milliarden von Jahren alt ..." (Orieschnig) Anbei ein weieres Kirchenfenster. Es befindet sich in der Heilig-Geist.Kriche
in Ellwangen und stellt Papst Johannes XXIII. zusammen mit Teilhard de
Chardin dar.:
Aktuelle Bücher: soeben erschienen ist das neue
Buch von Dr.Günther Schiwy:
T.d.Ch. lernte erst im
Alter von etwa 30 Jahren die elementaren Motivati- onskräfte
der Liebe zwischen Mann und Frau kennen. Frauenfreundschaften begleiteten
fortan sein gesamtes weiteres Leben und gaben ihm den "drive" auf
seinem einsamen, geistig wie physisch abenteuerlichem Weg,
ohne daß er hierbei jemals seine Gelöbnisse verletzt hätte.
Das "Ewig Weibliche" wurde für ihn zum "Zauber, der in die Welt gemischt
ist, auf daß sie sich sammle", zum "über ihr schwebenden Ideal",
auf daß sie "emporsteige". "Allein die Liebe ist imstande, das Sein
zu bewegen." Schiwy widmet sich hier im besonderen der wohl
tiefsten dieser Beziehungen Teilhards: der Liebe zu der amerikanischen
Bildhauerin Lucile Swan.
Immer aktueller wird: Ludwig Ebersberger, Glaubenskrise
und Menschheitskrise. Die neue Aktualität Pierre Teilhards de Chardin.
Lit-Vlg. Münster, 287 S. -
|
Zit. aus dem Artikel"Der
angezweifelte Wahrheitsanspruch - Die Krise des Christentums am Beginn
des dritten Jahrtausends"
von Joseph Kardinal Ratzinger
publiziert am 8.Jan.2000 in
der Frankfurter Allgemeinen Zeitung"
Keine Chance gegen die Evolutionslehre?
Ist demnach der Anspruch des
Christentums, religio vera zu sein, durch den Fortgang der Aufklärung
überholt? Muss es von seinem Anspruch heruntersteigen und sich
in die neuplatonische oder buddhistische oder hinduistische Sicht von Wahrheit
und Symbol einfügen, sich - wie Troeltsch es vorgeschlagen hatte -
damit bescheiden, die den Europäern zugewandte Seite des Antlitzes
Gottes zu zeigen? Muss es vielleicht sogar einen Schritt weiter gehen
als 'I'roeltsch, der noch meinte, das Christentum sei die für
Europa angemessene Religion, während doch heute gerade Europa an dieser
Angemessenheit zweifelt? Dies ist die eigentliche Frage, der sich
heute Kirche und Theologie zu stellen haben.
Alle Krisen im Inneren
des Christentums, die wir gegenwärtig beobachten, beruhen nur ganz
sekundär auf institutionellen Problemen. Die Probleme der Institutionen
wie der Personen in der Kirche rühren letztlich von der gewaltigen
Wucht dieser Frage her. Dies ist die grundsätzliche Herausforderung
am Beginn des dritten christlichen Jahrtausends. Die Frage kann nicht
rein theoretisch beantwortet werden, wie denn Religion als das Letztverhalten
des Menschen nie nur Theorie ist. Sie verlangt jenes Zusammenspiel
von Einsicht und Tun, das die Überzeugungskraft des Christentums der
Väter begründete.
Dies bedeutet beileibe nicht,
dass man sich dem intellektuellen Anspruch des Problems mit dem Verweis
auf den notwendigen Praxisbezug entziehen dürfte. Ich versuche
zum Schluss nur einen Ausblick, der die Richtung zeigen könnte.
Wir hatten gesehen, dass die ursprüngliche, freilich nie ganz unbestrittene
Beziehungseinheit zwischen Aufklärung und Glaube, die schließlich
bei Thomas von Aquin auf eine systematische Form gebracht worden war, weniger
durch die Entwicklung des Glaubens als vielmehr durch die neuen Schritte
der Aufklärung zerrissen worden ist. Als Stationen dieses Auseinandertretens
könnte man Descartes, Spinoza, Kant nennen. Der Versuch einer
umfassenden neuen Svnthese bei Hegel gibt nicht dem Glauben seinen philosophischen
Ort zurück, sondern versucht, ihn ganz in Vernunft umzusetzen und
als Glauben aufzuheben. Dieser Absolutheit des Geistes stellt Marx
die Einzigkeit der Materie entgegen; Philosophie soll nun ganz auf exakte
Wissenschaft zurückgeführt werden. Nur noch exakte wissenschaftliche
Erkenntnis ist überhaupt Erkenntnis. Der Gedanke an das Göttliche
hat damit abgedankt. Die Ankündigung von Auguste Comte, eines Tages
werde es eine Physik des Menschen geben und die bisher der Metaphvsik überlassenen
großen Fragen würden in Zukunft genauso "positiv" zu behandeln
sein wie alles, was jetzt schon positive Wissenschaft ist, hat in unserem
Jahrhundert in den Humanwissenschaften ein beeindruckendes Echo hinterlassen.
Die durch das christliche
Denken vollzogene Trennung von Physik und Metaphysik wird immer mehr zurückgenommen.
Alles soll wieder "Physik" werden. Immer mehr hat sich die Evolutionstheorie
als der Weg herauskristallisiert, um Metaphysik endlich verschwinden, die
"Hypothese Gott" endlich überflüssig werden zu lassen und
eine "streng wissenschaftliche" Erklärung zu formulieren. Eine umfassend
das Ganze alles Wirklichen erklärende Evolutionstheorie ist
zu einer Art "erster Philosophie" geworden, die sozusagen die eigentliche
Grundlage für das aufgeklärte Verständnis der Welt darstellt.
Jeder Versuch, andere als die in einer solchen "positiven" Theorie erarbeiteten
Ursachen ins Spiel zu bringen, jeder Versuch von "Metaphysik" muss als
Rückfall hinter die Aufklärung, als Ausstieg aus dem Universalanspruch
der Wissenschaft erscheinen. Damit muss der christliche Gottesgedanke als
unwissenschaftlich gelten. Ihm entspricht keine theologia physica mehr:
die einzige theologie naturalis ist in solcher Sicht die Evolutionslehre,
und die kennt eben keinen Gott, weder einen Schöpfer im Sinn des Christentums
(des Judentums und des Islams) noch eine Weltseele oder innere Triebkraft
im Sinn der Stoa. Allenfalls könnte man im Sinn des Buddhismus diese
ganze Welt als Schein und das Nichts als das eigentlich Wirklichkeit betrachten
und in diesem Sinn mystische Religionsformen rechtfertigen, die wenigstens
mit der Aufklärung nicht direkt konkurrieren.
Ist damit das letzte Wort gesprochen,
sind Vernunft und Christentum demnach definitiv voneinander getrennt?
Jedenfalls führt an dem Disput über die Reichweite der Evolutionslehre
als erster Philosophie und über die Ausschließlichkeit positiver
Methode als einziger Weise von Wissenschaft und von Rationalität kein
Weg vorbei. Dieser Disput muß daher von beiden Seiten sachlich und
hörbereit in Angriff genommen werden, was bisher nur in geringem Maß
geschehen ist. Niemand wird die wissenschaftlichen Beweise für die
mikroevolutiven Prozesse ernstlich in Zweifel ziehen können.
Nicht darauf, ja auch nicht auf die Problematik der Makroevolution bezieht
sich daher die Frage, die ein Gläubiger der modernen Vernunft gegenüber
stellen wird, sondern auf die Ausdehnung zu einer philosophia universelis,
diezur Gesamterklärung des Wirklichen werden will und keine andere
Ebene des Denkens mehr übrig lassen möchte.
Letzten Endes geht es um die
Frage, ob die Vernunft beziehungsweise das Vernünftige am Anfang aller
Dinge und auf ihrem Grunde steht oder nicht. Es geht um die Frage,
ob das Wirkliche auf Grund von Zufall und Notwendigkeit, also aus dem Vernunftlosen
entstanden ist, ob mithin die Vernunft ein zufälliges Nebenprodukt
des Unvernünftigen und im Ozean des Unvernünftigen letztlich
auch bedeutungslos ist oder ob wahr bleibt, was die Grundüberzeugung
des christlichen Glaubens und seiner Philosophie bildet: In principio erat
verbum - am Anfang aller Dinge steht die schöpferische Kraft der Vernunft.
Der christliche Glaube ist heute wie damals die Option für die Priorität
der Vernunft und des Vernünftigen. Diese Letztfrage kann nicht
mehr durch naturwissenschaftliche Argumente entschieden werden, und auch
das philosophische Denken stößt hier an seine Grenzen. In diesem
Sinn gibt es eine Beweisbarkeit der christlichen Grundoption nicht. Aber
kann die Vernunft auf die Priorität des Vernünftigen vor dem
Unvernünftigen, auf die Uranfänglichkeit des Logos verzichten,
ohne sich selbst aufzuheben? Die Vernunft kann gar nicht anders,
als auch das Unvernünftige nach ihrem Maß, also vernünftig
zu denken, womit sie implizit doch wieder den eben geleugneten Primat der
Vernunft aufrichtet. Durch seine Option für den Primat der Vernunft
bleibt das Christentum auch heute "Aufklärung".
Wir hatten vorhin gesehen, dass
in der Konzeption der frühen Christenheit die Begriffe von Natur,
Mensch, Gott, Ethos und Religion unlösbar ineinander verknotet waren
und dass zur Einsichtigkeit des Christenturns in der Krise der Götter
und in der Krise der antiken Aufklärung gerade diese Verknüpfung
beigetragen hatte. Die Orientierung der Religion an einer vernünftigen
Sicht der Wirklichkeit überhaupt, das Ethos als Teil dieser Vision
und seine konkrete Anwendung unter dem Primat der Liebe verbanden sich
miteinander. Primat des Logos und Primat der Liebe erwiesen sich
als identisch. Der Logos erschien nicht nur als mathematische Vernunft
auf dem Grund aller Dinge. sondern als schöpferische Liebe bis zu
dem Punkt hin, dass er Mit-Leiden mit dem Geschöpf wird. Der
kosmische Aspekt der Religion, die den Schöpfer in der Macht des Seins
verehrt und ihr existenzieller Aspekt, die Erlösungsfrage, traten
ineinander und wurden ein Einziges. Tatsächlich muss jede Erklärung
des Wirklichen ungenügend bleiben, die nicht auch ein Ethos sinnvoll
und einsichtig begründen kann.
Nun hat in der Tat die Evolutionstheorie,
wo sie sich zur philosophia universalis auszuweiten anschickt, auch das
Ethos evolutionär neu zu begründen versucht. Aber dieses evolutionäre
Ethos, das seinen Schlüsselbegriff unausweichlich im Modell der Selektion,
also im Kampf ums Überleben, im Sieg des Stärkeren, in der erfolgreichen
Anpassung findet, hat wenig Tröstliches zu bieten. Auch
wo man es auf mancherlei Weise zu verschönern strebt, bleibt es letztlich
ein grausames Ethos. Das bemühen, aus dem an sich Vernunftlosen
das Vernünftige zu destillieren, scheitert hier recht augenfällig,
Zu einer Ethik des Universalen Friedens, der praktischen Nächstenliebe
und der nötigen Überwindung des Eigenen, die wir brauchen, ist
dies alles wenig tauglich.
Der Versuch, in dieser Krise
der Menschheit dem Begriff des Christentums als religio vera wieder
einen einsichtigen Sinn zu geben, muss sozusagen auf rechtes Handeln (Orthopraxie)
und rechten Glauben (Ortho-doxie) gleichermaßen setzen. Sein Inhalt
wird heute - letztlich wie damals - im Tiefsten darin bestehen müssen,
dass Liebe und Vernunft als die eigentlichen Grundpfeiler des Wirklichen
zusammenfallen. Die wahre Vernunft ist die Liebe, und die Liebe ist die
wahre Vernunft. In ihrer Einheit sind sie der wahre Grund und das Ziel
alles Wirklichen."
Antwortschreiben
von Ludwig Ebersberger
an Kardinal Ratzinger
Nach Lektüre Ihres Artikels
"Der angezweifelte Wahrheitsanspruch - die Krise des Christentums am Beginn
des dritten Jahrtausends", erschienen am 8.1.2000 in der "Frankfurter Allgemeinen
Zeitung" fühle ich mich bewogen, zu versuchen, zu dem von Ihnen als
unausweichlich bezeichneten Disput über die Reichweite der Evolutionslehre
als "erster Philosophie" und über die "Ausschließlichkeit positiver
Methode als einziger Weise von Wissenschaft und von Rationalität"
einiges klarstellende beizutragen.
Zunächst: es trifft leider
zu, daß - besonders in Deutschland - zur Zeit wieder eine reduktionistische,
sich als "Philosophia universalis" gerierende Auffassung der Evolution
den Ton angibt. Dennoch aber ist, wissenschaftstheoretisch gesehen, der
Reduktionismus mausetot und wird es bleiben. Daß die Evolution organischen
Lebens einzig und allein auf "Konkurrenzkampf" und "Überleben
des Stärkeren" beruhe, wurde von Einsichtigen bereits von Anfang an
als Projektion der damals herrschenden gnadenlosen frühkapitalistischen
Wirtschaftstheorien erkannt. Selbst Konrad Lorenz, der für seine verhaltensphysiologischen
Arbeiten den Nobelpreis erhielt und als einer der Begründer
der "evolutionären Erkenntnistheorie" gilt, und der sich rühmen
durfte, der letzte Nachfolger Kants auf dessen Königsberger Lehrstuhl
(1940) gewesen zu sein, bekannte: "Wer an einen Gott glaubt - und sei es
an den eifersüchtigen, mit den Eigenschaften eines jähzornigen
Stammeshäuptlings ausgestatteten Gott Abrahams - weiß immerhin
mehr über den Kosmos als jeder ontologische Reduktionist" ("Der Abbau
des Menschlichen" Mchn.1983, S.284). Philosophisch auf dem Boden eines
"hypothetischen Realismus" stehend, identifizierte er sich ausdrücklich
mit Teilhards Grundposition "Créer, c'est unir" ("Die Rückseite
des Spiegels" 1973, S.51), die ihrerseits exactissime der Grundposition
"Sein ist Einssein" des Thomas von Aquin entspricht ("Secundum quod res
habent esse, ita habent pluritatem et unitatem, nam unum quodque secundum
quod est ens, est etiam unum" - Compendium theologiae, Cap, 71). Auch führte
Lorenz für das Emergenzphaenomen - gemeint ist das Auftauchen immer
neuer und immer umfassender werdender, irreduzibler Interaktionsmuster
auf jeder neuen Komplexitätsstufe der Realwelt - den Terminus "Fulguration"
ein, da ihm der Begriff "Emergenz" zu wenig radikal erschien, um deren
Irreduzibilität zu bezeichnen. Es handelt sich darum, daß die
neuen Interaktionsmuster jeweils neue Eigengesetzlichkeiten entwickeln,
welche die Gesetze der unteren Stufen zwar gleichsam in ihren Dienst stellen,
sich aber aus ihnen weder ableiten noch vorausberechnen, ja nicht einmal
vorausahnen lassen. Der schlagendste Beweis hierfür ist, daß
dem so entstandenen Stufenbau der Realwelt ein ebensolcher der Wissenschaftsbereiche
entspricht. Für jede nächsthöhere Stufe mußten neue
Forschungsmethoden und Denkmodelle entwickelt werden. Wirklichkeit erschließt
sich somit nur einer Plurität einander komplementärer Denkmodelle,
und dies desto mehr, je höher der jeweilige Erkenntnisgegenstand im
Schichtenbau der Realwelt angesiedelt ist.
Dementsprechend versteht sich
das Denken in evolutiven Zusammenhängen im Sinne heutiger Wissenschaftstheorie
nicht als "Philosophie" im Sinne der alten klassischen Systeme (die sämtlich
auf irgendwelchen "Ontologien" beruhen, während heute nur noch relationale
Betrachtungsweisen als "wissenschaftlich" gelten können) wohl
aber als kategoriale Bedingung unseres Erkennens. Und in der Tat: seit
die Physik sich anheischig macht, die Entstehungsgeschichte der Gesamtmaterie
bis hin zur letzten Billionstelsekunde nach dem Urknall zurückzuverfolgen,
ist rein nichts mehr übriggeblieben, worüber sich noch vernünftig
reden ließe ohne Einbeziehung der Relationen zeitlichen Gewordenseins.
Wir könnten uns ohne diese nicht einmal über das physikalische
Teilchen unterhalten, geschweige über das Atom und das Molekül
oder gar über lebende Strukturen. Wir verstünden nicht unseren
eigenen Körper mit den in ihm enthaltenen dreieinhalb Milliarden Jahren
Lebensgeschichte, nicht unsere vitalen Antriebe, unsere Emotionalität
und unsere Denkkonventionen. Und dies gilt auch für das spezifisch
menschliche Ethos. Daß auch dieses irreduzible Eigengesetzlichkeiten
besitzt, ändert nichts daran, daß es auf evolutivem Wege
entstanden ist. Zeigt nicht das AT aufs allerdeutlichste, daß sogar
das menschliche Gottesbewußtsein eine Entwicklungsgestalt ist? Erschien
Christus nicht erst, als "die Zeit erfüllt" war? Kann daher die Zeit
zwischen Abraham und Christus eine leere, ereignislose Zeit gewesen sein?
Und faßte dieses Gottesbewußtsein nicht zuerst Fuß in
einem Volke, das ums Überleben kämpfte? Findet sich heute nicht
die ganze Menschheit in dieser Lage?
Ihr Mißtrauen gegenüber
einem "evolutionären Ethos" können wir daher nur insoweit teilen,
als es ontologisch-reduktionistische Positionen betrifft (die - wie gesagt
- gegenwärtig wieder zu dominieren scheinen; wir haben es hier eben
mit ähnlichen Trägheitsmomenten zu tun, wie wir sie auch auf
seiten der Theologie leider nur allzugut kennen). Ich gestatte mir daher,
Ihnen einen Vorabdruck eines der Kernkapitel einer bereits in Druck befindlichen
und in wenigen Wochen erscheinenden Schrift ("Glaubenskrise und Menschheitskrise",
Copyright by Lit-Vlg. Münster) vorzulegen, in welcher sowohl auf die
wissenschaftstheoretische Einordnung als auch auf die evolutive
Entstehung (die "Phylogenese") und die individuelle Entstehung (die "Ontogenese")
der drei christlichen Haupttugenden eingegangen wird, sowie auf deren soeben
"emergierende" (bzw. "fulgurierende") neue Rolle als Überlebensbedingung
der Menschheit.
Gleichzeitig übersende
ich Ihnen die Kopie eines Gründungsaufrufes für einen Förderverein
zum Aufbau eines "Ökumenischen Instituts für grenzüberschreitende
Forschung und deren Wirkung auf Weltanschauung und Ethik", in welchem m.E.
die derzeitige praktisch dialoglose Situation sehr treffend geschildert
wird. Diese Gründung soll auf der vom 18.-20. Febr. d.J. stattfindenden
Jahrestagung des Arbeitskreises "Naturwissenschaft und Glaube" des "Bund
Neudeutschland" stattfinden.
Ich denke wohl, daß diese
Gründung ganz in Ihrem Sinne ist.
Mit allen guten Wünschen
für Ihr verantwortungsvolles Wirken
grüßt Sie
gez. Ludwig Ebersberger.
Rückantwort Kardinal Ratzingers
I-00120 CITTA DEL VATICANO)
17. Juli 2000
Sehr geehrter Dr. Ebersberger!
Zunächst muß ich
vielmals um Entschuldigung bitten, daß ich auf Ihren freundlichen
Brief erst heute antworte, mit dem Sie auf den
in der FAZ veröffentlichten Aus-schnitt meines
Vortrags reagiert haben, den ich am 27. 11. 1999 in der
großen Aula der Sorbonne zu Paris gehalten hatte.
Der Vortrag war Bestandteil eines Symposions, in dem Gelehrte unterschiedlicher
Richtungen eine Art Bilanz unserer geistigen Lage am
Ende des Jahrtausends zu ziehen versuchten. In der Sorbonne habe
ich sozusagen die Tradition von Denkern, die dort gelehrt hatten,
wie Thomas von Aquin, aufzu-nehmen und ihre Frage nach der Wahrheit des
Christentums im heutigen Kontext weiterzuführen versucht - in
dem Bewußtsein, daß eine Vorlesung von einer
Stunde nur einige begrenzte Vorstöße bieten konnte, die sich
in das größere Ganze einer gemeinsamen Denkbemühung
einreihen. Auf die Veröffentlichung in der FAZ hin habe
ich eine Fülle von Zuschriften erhalten, die mir zeigen, wie
brennend die Frage nach einer rationalen Reflexion auf die Grundlagen unserer
Existenz, auf den christ- lichen Glauben und sein Verhältnis
zur modernen Wissenschaftswelt empfunden wird. Sehen
zu können, wie viele Menschen an dieser Frage arbeiten, von wie vielen
Richtungen her versucht wird, die christliche Überlieferung neu zu
verstehen und zu einer verantworteten Gotteserkenntnis zu kommen, habe
ich als außerordentlich er-mutigend empfunden. Ich hätte
darum damals am liebsten sofort auf jeden einzelnen Brief ausführlich
geantwortet, aber die Fülle der Aufgaben, die mich Tag um Tag bedrängen,
ließ es einfach nicht zu. In dem guten halben Jahr, das
seither verflossen ist, ging die Masse der Verpflichtungen,
die ständig über mich herfielen, so über die Maße
meiner Kräfte, daß ich nur j eweils das eben unmittelbar
Nötigste zu tun im-stande war. So mußte die
Antwort auf die Briefe immer wieder verschoben
werden, und erst jetzt, wo der römische Sommer der Geschäftigkeit
des Alltags eine Grenze gesetzt hat, konnte ich das lang liegengebliebene
Dossier wieder hervorziehen. So darf ich Sie um Nachsicht bitten
für das lange Ausbleiben einer Reaktion von meiner Seite, und da nun
außer dem großen Bündel der Briefe zum FA.Z-Beitrag auch
eine Menge anderer Korrespondenz auf eine späte Erledigung wartet,
muß ich überdies Ihr Verständnis dafür erbitten, daß
ich nicht zu dem ausführlichen Disput mit Ihren Überlegungen
imstande bin, den ich mir eigentlich vorgenommen hatte, sondern mich mit
kurzen Hinweisen begnügen muß.
Ihren freundlichen Brief sowie
den beigefügten Aufsatz habe ich mit großem Interesse gelesen.
Vielem, aber nicht allem, was Sie da schreiben, kann ich zustimmen.
Vollkommen richtig ist, daß man die Natur wie auf andere Weise den
Weg des Menschen "geschichtlich", im Weg des Werdens verstehen muß.
Richtig ist auch, daß die jeweils höhere Stufe zwar die Gesetze
der unteren Stufe in Dienst nimmt, ihre Interaktionsmuster aber daraus
weder abzuleiten noch vorauszuberechnen sind. In diesem Sinn nimmt
auch das Wesen Mensch, zu dem Verstehen und ethisches Handeln aus Verstehen
gehören, die vorigen Stufen in sich auf, in diesem Sinn geht "Evolution"
in Sein und Verhalten des Menschen ein. Ich kann aber trotzdem Ihrer
Formulierung nicht zustimmen, daß das Ethos "auf evolutivem Weg entstanden"
sei. Mit dieser Formulierung wird meines Erachtens das durchaus neue
und wesentlich Andere des menschlichen Ethos gegenüber Verhaltensformen
im vormenschlichen Bereich verkannt. Ethos im eigentlichen Sinn des
Wortes setzt Bewußtsein und Freiheit voraus die Grundkonstitutive
menschliche Existenz, die es vorher nicht gibt. In dieser Hinsicht
hat, wie mir scheint, Kant durchaus richtig gesehen. Deswegen kann
man das Ethos nicht auf dem Weg der Verhaltensforschung ermitteln, obwohl
diese Beiträge zur Struktur menschlicher Existenz leisten kann; die
Unableitbarkeit des eigentlich Menschlichen (um Sie selbst zu zitieren)
bleibt aber bestehen.
Freundliche Grüße
gez.
Joseph Cardinal Ratzinger
...so sagte André Malraux, französischer Kultusminister von 1958 bis 1969, Ehrenmitglied des Komitees zur Förderung der posthumen Veröffentlichung der Werke Teilhards.
Denn so sehr es der natürliche Wunsch jedes normal empfindenden Menschen sein mag, daß unsere Kinder und Kindeskinder diese Erde noch bewohnbar vorfinden mögen, so wahr ist leider auch, daß wir uns in unserem persönlichen wie gesellschaftlichen Verhalten recht herzlich wenig darum kümmern. Wir finden aus unserer „Nach-uns-die-Sintflut"-Haltung einfach nicht heraus. Statt umzukehren, belasten wir die Zukunft des Menschen mit immer neuen und immer schwereren Hypotheken.
Diese Gleichgültigkeit hat ihren einfachen Grund darin, daß ein Bewußtsein unmittelbarer existentieller Mitbetroffenheit schlechthin nicht existiert. Es ermangelt jener nur religiös vermittelbaren festen inneren Überzeugung, daß es in unserer Sorge um die Menschheitszukunft nicht allein um unsere Nachfolgegenerationen geht, sondern in ebendenselben Maß auch um uns selbst, ja letztlich um die Bestimmung des Menschengeschlechtes, für deren Erfüllung jeder Einzelne mitverantwortlich ist. Noch immer aber stößt auf Grund der herrschenden alten Denkgewohnheiten - seit 400 Jahren gilt Gottes Schöpfung für die christlichen Kirchen praktisch lediglich als eine Art wertloser Wegwerfkulisse für das individuelle menschliche Seelendrama - jeder Gedanke daran bei den allermeisten Menschen auf unüberwindliche Mauern des Unverständnisses.Teilhard: „Versprechen Sie einem Menschen so viele Jahre, wie Sie wollen. Lassen Sie ihn am Ende dieses Zeitraumes einen so hohen, übermenschlichen Gipfel erreichen wie Sie wollen. Wenn von vorneherein feststeht, daß wir ihn wieder hinabsteigen müssen, ohne daß von unserem Aufstieg in Kosmos irgendetwas überlebt - nun, so erkläre ich Ihnen, dann werden wir nicht den Mut haben, ihn zu gehen, und wir werden ihn nicht gehen. Niemals wird der Mensch sich einverstanden erklären, wie ein Sisyphus zu arbeiten."Wie anders aber als über diese Überzeugung wären der Einzelne wie auch die Gesellschaft zu motivieren für eine solch extreme gemeinsame Anstrengung, deren Ziele weit über die Lebensspanne des Einzelnen hinausreichen?
Dies bedeutet: der Fortgang der Menschheitsentwicklung ist von nun an mit der Glaubensentscheidung des Menschen rückgekoppelt: Ohne Glaube an Zukunft keine Zukunft. Der Philosoph Sir Karl Popper meint dasselbe, wenn er sagt: „Pessimismus ist verantwortungslos".
Welche Religion aber soll es sein, die den Fortgang der Menschheitsgeschichte in Richtung ihrer Bestimmung gewährleisten soll?
Die Ereignisse am und nach dem 11.September 2001 sollten es nunmehr jedermann deutlich gemacht haben:
Nur eine aufgeklärte, von allen Anmaßungen statischen Denkens in „Wesenheiten", „Absolutheiten", „Unbedingtheiten" und allen hiervon ausgehenden wahnbildenden und dissenserzeugenden Denkzwängen befreite Religiosität ist imstande, in diese Funktion einzutreten.
Indessen: es dürfte es nur wenige Begriffe geben, die bei Theologen auf ähnlich gegensätzliche Empfindungen, Auffassungen und Reaktionen stoßen würden wie der Begriff „Aufklärung" - die Skala reicht auf der einen Seite bis zu tiefstem Mißtrauen und ängstlicher Abwehr, und auf der anderen Seite bis hin zu einem letzten, allerletzten Fünklein Hoffnung, es möge die denkende Vernunft vielleicht eben noch verhindern können, daß - entgegen obigem Motto - religiöser Fanatismus sich als genau das erweisen werde, was der Welt noch fehlt, um vollends zum Tollhaus zu werden..
Sorgen machen ja nicht nur jene Mörderbanden, welche im Namen Gottes bereits ganze Kontinente terrorisieren - es muß schon ein besonderes, nachgerade rauschhaftes Vergnügen, wenn nicht das höchste der Gefühle sein, in Einklang mit dem „Willen Gottes", der „Wahrheit" oder den „Gesetzen der Natur und der Geschichte" zu morden, zu rauben, zu foltern, zu brandschatzen, zu vergewaltigen, Bomben zu legen, Giftgas zu versprühen, Seuchen zu verbreiten. Ja selbst auf „Werkzeuge Gottes", die sich dazu berufen fühlen, mittels Zündung von Atombomben die „Apokalypse" herbeizuzwingen, wird man gefaßt sein müssen.„Aufgeklärt" aber nennen wir eine Religiosität, die das bereits im Ersten mosaischen Gebot in striktester Form untersagte statisch-seinsorientierte, dissenserzeugende und ausgrenzende Denken, und die mit diesem verbundene Anbetung von Begriffsfetischen endlich aufgibt und zurückkehrt zu einem dynamisch- beziehungsorientierten Denken, so wie wir es in den biblischen Offenbarungsschriften und bekanntermaßen auch in der Lehrweise Jesu ausschließlich vorfinden.Beinahe aber mehr noch sind es die so überaus zahlreichen kleinen, subtilen Indizien, die es mitunter als geradezu töricht erscheinen lassen, auf ein Minimum von Vernunft auch nur zu hoffen. Wie etwa - um hier nur ein vergleichsweise winziges Problem zu nennen - der Kalenderstreit in den christlich-orthodoxen Kirchen, der immer noch bittere Feindschaften unterhält bis hin zu wechselseitigem Ausschluß aus Glaubens- und Sakramentsgemeinschaften. Nicht einmal dazu also reicht die Vernunft hin, um als „wahr" anzuerkennnen, daß das Jahr um eine Winzigkeit kürzer ist als zu Julius Caesars Zeit errechnet werden konnte. Mögen ganze Bündel von Motiven und uralten Animositäten mitspielen bei diesem nun schon 400 Jahre währenden, noch immer sich steigernden Wirrwarr, so bleibt dennoch Tatsache, daß all dies weder mit Gott noch mit Vernunft auch nur das Geringste zu tun hat Was könnte deutlicher unterstreichen, wie sehr es einer neuen, aufgeklärten Geistigkeit bedürfte, soll Religion im 21. Jh. ihre Funktion erfüllen können.
Aufgeklärte Religiosität begann also nicht erst mit Hobbes, Locke, Leibniz, Hume, Voltaire, Lessing, Kant und auch nicht erst mit Teilhard, Küng oder Drewermann, sondern bereits am Sinai, und zwar mit dem zumeist mißdeuteten oder sogar vergessenen Zusatz zum Ersten Gebot: "Du sollst Dir kein Bild machen noch eine Abform dessen, was im Himmel droben ist oder auf Erden unten oder in dem unterirdischen Gewässer! Du sollst Dich nicht vor solchen niederwerfen und nimmer sie verehren.." (Ex. 20, 2-5). Die Anbetung von Bild- und Begriffsfetischen, so wie wir sie besonders in den diversen Kontroverstheologien der christlichen Konfessionen geradezu angehäuft vorfinden, waren mithin schon von allem Anfang verboten.
Es gilt, wieder Anschluß zu
finden an die dieses Gebot beachtenden gesunden Traditionen des Christentums,
als da z.B. sind:
a) die Feststellung des IV. Laterankonzils 1215, daß wir sowohl über den Schöpfer als auch über alles Erschaffene nur in Analogien (d.h. in Ähnlichkeiten) denken und reden können - wobei die Unähnlichkeiten stets sogar überwiegen,b) die Aussage des Thomas von Aquin, daß sowohl das Wesen Gottes als auch der Dinge unerkennbar ist,
c) die Erkenntnis von Duns Scotus und Nikolaus Cusanus, und neuerdings auch von Niels Bohr, Einstein und Heisenberg, daß wir über Dinge, die das menschliche Sprach- und Vorstellungsvermögen überschreiten, nur in einander ergänzenden und gleichzeitig auch einander begrenzenden Gegensätzen (bzw. "Denkmodellen") denken können.
Die Denk- und Aussageweisen Teilhards
de Chardin stehen fest in diesen Traditionen. Schon auf der ersten Seite
seines Hauptwerkes „Der Mensch im Kosmos" (Le phénomène humain)
erklärt er ausdrücklich den Verzicht auf ontologische oder kausale
Analysen, wohl wissend darum, daß beides den Blick verstellt, ja
blind macht gegenüber dem „Phaenomen" d.h. gegenüber weiten Bereichen
unserer Wahrnehmungswelt und im besonderen gegenüber den darin vorhandenen
ganzheitlichen - und das heißt sinnerfüllten - Beziehungen,
Strukturen und Prozessen. Sowohl das Denken in "Wesenheiten" als auch reines
Ursachendenken aber führt zu röhrenförmigen, und im Falle
monokausalen Denkens (so wie es in der mechanistischen Wissenschaft beinahe
ausschließlich praktiziert wurde) sogar punktförmigen Einengungen
des Gesichtsfeldes.
Wer aufmerksam genug hinsieht, dem wird nicht entgehen können, daß innerhalb der Religionen dementsprechende Umorientierungen weg vom seins- und wesensorientierten („essentialistischen") und hin zum beziehungsorientierten Denken bereits in vollem Gange sind. Schon jetzt verlaufen die eigentlichen Fronten der religiösen Auseinandersetzungen nicht mehr zwischen den einzelnen Konfessionen und Religionen, sondern quer durch diese hindurch. Überall finden wir auf der einen Seite das statisch-fundamentalistische, die alten Gegensätze hegende und pflegende Festhalten an absolut gesetzten Bildern und verbalen Formulierungen, und auf der anderen Seite die Forderung nach deren sprach- und erkenntniskritischen Aufarbeitung, Fortentwicklung und Fruchtbarmachung. So sind z.B. die Frontstellungen zwischen Bibelwissenschaftlern und Fundamentaltheologen auf katholischer und protestantischer Seite im wesentlichen die gleichen. Mehr und mehr bricht sich die Erkenntnis Bahn, daß die Bibel nur als Ganzes verstehbar ist - schon ein einziges ihrer Bilder und Gleichnisse zu verabsolutieren heißt alles mißzuverstehen. Ebenso wenig vermögen es Dogmen, „die Wahrheit an sich" darzustellen; sie fungieren vielmehr gleich den Bildern und Gleichnissen der Bibel als Wegweiser zu ihr.
Auch innerhalb des Islam wird bereits gestritten, ob schon in jedem einzelnen arabischen Schriftzeichen des Koran sich „ewige", „unerschaffene" Wahrheit manifestiere und daher schon jeder Versuch einer Interpretation frevelhaft sei, oder ob „Wahrheit" erst in der Ganzgestalt des Koran aufscheine.
Alles dieses bedeutet keineswegs
die von den Kirchenoberen so sehr gefürchtete „Relativierung"
und auch keine „postmoderne Beliebigkeit". Im Gegenteil: jede Glaubensrichtung
muß ihre jeweiligen religiösen Inhalte neu durchdenken, um sie
auf die neuen Erkenntnisebenen zu heben, und sie darin neu und um wesentliche
Bezüge bereichert zur Darstellung zu bringen.
Was speziell die christlichen Konfessionen betrifft, so obliegt es ihnen nunmehr, endlich zu erkennen, daß die ihnen spezifisch anvertrauten Symbole wie z.B. „Trinität", „Inkarnation", „Kreuz" sogleich ihren dissenserzeugenden, ja "ärgerniserregenden" Charakter verlieren und sich sofort weiterentwickeln zu allgemeiner Diskussions-, ja Konsensfähigkeit, sobald man die starren Standpunkte seinsorientierten Denkens aufgibt und sie unter den Blickwinkeln dynamisch-beziehungsorientierten Denkens betrachtet. Nur auf diese Weise kann die in ihnen liegende einheitsstiftende Potenz entdeckt, entfaltet und für alle nutzbar gemacht werden.
Wahrheit ereignet
sich nur im Dialog - das wußten schon Sokrates und Platon. Nur im
Dialog ist es möglich, wahnhaft entarteten Formen der Religiosität
Paroli zu bieten. Dem Dialog ausgesetzt, haben überzogene Wissensansprüche
auf die Dauer keine Chance. Dialogfähigkeit aber - immer wieder muß
man es betonen! - ist nur gegeben innerhalb beziehungsorientierter Denkformen.
Vielleicht mag es für Theologen, die sich damit schwertun, hilfreich sein, sich daran zu erinnern, daß auch die Naturwissenschaften, die während des gesamten Mittelalters und bis weit ins 17.Jh. hinein unter der Ägide rein seinsorientierten Denkens (des sog. „Aristotelismus") völlig steril geblieben waren, erst in dem Maße, als sie das seinsorientierte Denken zugunsten beziehungsorientierter Denkweisen zurückstellten, zu sich selbst und zu ihrer Einheit fanden - und auf diese Weise endlich auch zu Erfolgen kamen.Zu Recht wiederholt Hans Küng unablässig die dringende Mahnung: „Kein Friede in der Welt ohne Frieden zwischen den Religionen - kein Friede zwischen den Religionen ohne ständigen Dialog - kein Überleben der Menschheit ohne ein gemeinsames Weltethos".
Galileis Fallgesetze, mit denen die Entwicklung der modernen Physik eingeleitet wurde, und auch das Gravitationsgesetz Newtons sind keineswegs „Ontologie", sondern stellen lediglich Beziehungen zwischen Beobachtungen ("Erscheinungen") fest. Erst das ontologische Mißverständnis, zu welchem im besonderen das essentialistische Mißverstehen der Wirklichkeitsteilung Descartes' (1595-1650) in eine „geistige" und eine „materielle" kräftig beigetragen hat, führte zum mechanistischen Weltbild und damit zum Zerwürfnis zwischen den Naturwissenschaften, den Geisteswissenschaften und der Religion.
Die heutige Situation zeigt, daß
wir unter allen Umständen jenen Zustand anzustreben haben,
- da jedermann einzusehen und danach zu handeln vermag, daß die verschiedenen Religionen und Konfessionen keineswegs dazu da sind, einander zu vernichten, sondern einander gegenseitig zu bereichern,- da man mithin die Symbole der jeweils anderen Religionen und deren innerste Anliegen mit Liebe und Verständnis betrachten wird, um deren Wahrheiten zu ergründen,
- da man sich dessen bewußt sein wird, daß alle Religionen in ein und demselben Boot sitzen und nur in gemeinsamer Anstrengung sich selbst und die Menschheit voranzubringen vermögen,
- da jedermann weiß: Gott liebt die Vielfalt. Denn je größer die Vielfalt, desto größer der Reichtum der daraus entstehenden Einheit,
- da man sich nicht mehr der Einsicht verschließt, daß jeder Mensch dazu berufen ist, zu diesem Reichtum auf seine besondere Weise beizutragen („Gott ruft jeden mit anderer Stimme"),- da daher die Türen der Kirchen, der Synagogen, der Moscheen offenstehen zu haben für alle, die sich auf irgendeine Weise weigern, vor der Sinnfrage zu kapitulieren und zu resignieren, und sich jedermann in den Kirchen wie in den Synagogen und in den Moscheen gleichermaßen heimisch fühlen kann, im Wissen darum, hier wie dort zu Gott beten, sein Wort hören und ihm dienen zu können,
- da, - wie z.B. in der Erklärung des II.Vatikanums über die nichtchristlichen Religionen - nirgends mehr ein böses oder auch nur abschätziges Wort zu hören sein wird über andere Religionen, sondern nur noch aufmunternde Hinweise auf deren jeweiligen Komplementärwahrheiten und besonderen Vorbildfunktionen,
- da politischer Mißbrauch der Religionen, sowie alle übermäßigen Wissensansprüche und daraus sich ableitenden Machtanmaßungen der Vergangenheit angehören,
- da der Wettbewerb zwischen den Religionen nur noch auf dem Felde des Ethos (nicht der „Ethik") stattfinden wird, wie dies nicht nur Aufklärern wie Kant und Lessing vorschwebte, sondern bereits Jesus in unvergleichlicher Kürze und Klarheit dartat: „An Ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen".
- da Jerusalem zur Welthauptstadt des Monotheismus geworden sein wird, in der die Religionen friedlich nebeneinander leben und auf allen Ebenen, vom einfachen Pilger bis zu den Oberhäuptern, fruchtbaren Dialog führen.
Teilhard spricht in seinen Zukunftprojektionen bereits nicht mehr von „Religionen", sondern von „der" Religion.
Dipl. Ing. Christoph Gildemeister, 91093 Hannberg, Kirchensteig 17
TRIEBKRÄFTE in der Evolution, gestern, heute und morgen. Eine Skizze.
Unter Auswertung von Texten von Teilhard de Chardin, W. Schmidbauer u.a.
Die Frage geht an Theologen, (Prä-)Historiker und Naturwissenschaftler zugleich: Wie soll es weitergehen mit der Menschheit auf einem Wege, für den wir erhoffen, dass darauf der Geist der Evolution ( ist das der Gott der Schöpfungsgeschichte?) weiterhin die Richtung angibt, auf dem wir aber offenbar Mitverantwortung für die Ausgestaltung des Weges übernehmen sollen und können ? Können wir aus der Kenntnis der „Triebkräfte“, die in der bisherigen Evolution zur menschlichen Ebene geführt haben, Schlüsse ziehen für diese unsere zukünftigen Aufgaben, für die Pflichten jedes einzelnen?1Aus Schriften von Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955) lässt sich Wesentliches zur Beantwortung gewinnen (hier aus dem Aufsatz „ Die Erde und der Geist “; die Kennzeichnungen mit Fettdruck sind jeweils vom Verfasser ).
„...die Genese des Geistes ist ein kosmisches Phänomen; und der Kosmos besteht in eben dieser Genese. Doch von dem überall im Kosmos als Potenz gegebenen Leben kennen wir erst nur das Leben auf der Erde... ..die Geschichte des Lebens macht sich heute von einfachen Hypothesen frei und beginnt uns zu antworten...sofern wir sie recht verstehen. In unseren Tagen wird das grundlegende Verbundensein der lebenden Formen und ihre Entstehung der einen im Ausgang von den anderen nicht mehr ernsthaft bestritten. Doch sind wir noch nicht soweit, dass sich die Biologen über die Form dieser Evolution einig wären, in der viele weiterhin nur ein unverständliches Wuchern und eine ungeordnete Vermannigfaltigung sehen....“
Zur Einführung:
Unterschieden werden drei verschiedene Typen der Evolution.....
.„...Als Tiefgreifendstes endlich zeichnet sich die Evolution des größeren Bewusstseins ab, kraft derer die Lebewesen sich insgesamt auf der ganzen Front der Biosphäre (..) zu größerer ( individueller oder kollektiver) Organisation und zu größerer Spontaneität erheben....
...Diese Art von Evolution kann uns den Sinn und das wahre Gesicht der Bewegungen des Lebens angeben...Nach Tausenden von Jahrhunderten des Bemühens ist das irdische Leben, das Kind des Kosmos, in das Denken emergiert.
Und damit sind wir zu dem entscheidenden Ereignis zurückgekehrt, das die Naturgeschichte der Welt beherrscht: zum menschlichen Phänomen....“2 Weiter unten im gleichen Aufsatz:
„...Das menschliche Denken eröffnet also eine neue Ära in der Geschichte der Natur, doch wenn es auch ein erneuertes Leben ist, so ist es doch kein ganz neues Leben. In seiner Geistigkeit müssen sich alle in sie eingegangenen Erzeugenden erkennbar, wenn auch hominisiert, wiederfinden: der Hunger, die Liebe, der Sinn für den Kampf, die Lust an der Beute. Die Kontrolle dieser Erbteile auf einer höheren Ebene ist die Arbeit der Moral und das Geheimnis des Mehr-Lebens......
. ..Es ergibt sich die - wissenschaftlich begründete, wie wir glauben, und unvermeidliche – Schlussfolgerung: Im menschlichen Geist ist, wie in einer einzigartigen und unersetzlichen Frucht, das ganze sublimierte Leben – das heißt letztlich; aller kosmische Wert – der Erde zusammengefasst.“
Die „Erzeugenden“, bzw. die „Erbteile“ im Wortlaut dieser (gekürzten) Übersetzung eines Textes von Teilhard de Chardin können auch als „Triebkräfte der Evolution“ bezeichnet werden.
An anderer Stelle des Textes heißt es:Bisher „haben die Menschen wie Kinder gelebt, ohne das Geheimnis ihrer Geburt zu begreifen, - noch das Geheimnis der dunklen Triebkräfte, deren große Wogen... aus den Tiefen der Welt zu ihnen aufsteigen.“ -Und die Kontrolle der Triebkräfte wird also in die Verantwortung des Menschen gegeben. Auf dem Wege unserer Weiterentwicklung , zur Verwirklichung unserer Mission in der Schöpfung, sollen die Triebkräfte weiter sublimiert, teilweise sicherlich auch entscheidend korrigiert werden? Korrigiert durch bewusstes Verhalten der einzelnen Menschen, durch bessere Steuerung der angeborenen Verhaltens- Mechanismen? Oder vielleicht auch durch Rückbesinnung auf gewisse zurückgedrängte Anlagen ??
3
Ergebnisse der Verhaltensforschung könnten, wie ich im folgenden aufzeigen will, zur Klärung und
Konkretisierung dieses Zusammenhanges beitragen.
Doch erst dazu weitere Textstellen von T.d.C., ( aus „Der Geist der Erde“ ):„Eine der wichtigsten Seiten der Hominisation ist unter dem Gesichtspunkt der Geschichte des Lebens das Hineintreten der biologischen Wirklichkeiten (oder Werte) in den Bereich der moralischen Wirklichkeiten (oder Werte). Vom Menschen an und im Menschen ist die Evolution ihrer selbst reflektiert bewusst geworden. Sie kann von nun an in gewissem Maße ihren Ort in der Welt erkennen, ihre Richtung wählen, die Anstrengung verweigern... Diese neuen Bedingungen werfen auf Erden die unermessliche Frage der Pflicht und ihrer Modalitäten auf. Wozu wirken? - und Wie wirken?... Die anfängliche Grundlegung der Pflicht ist für den Menschen die Tatsache, dass er in Funktion einer Kosmischen Strömung geboren ist und sich entwickelt. Wir müssen wirken und in dieser Weise wirken, weil unsere individuellen Schicksale von einem universellen Schicksal abhängen...
...Aber noch deutlicher, in welcher konkreten Richtung – gemäß welchem konkreten Plan – müssen wir, tätig und frei, über unseren gegenwärtigen Zustand hinaus die erzeugenden Linien der Welt verlängern?“
Unmittelbar anschließend in diesem Text zeigt T.d.C. die beiden Möglichkeiten für die weitere Evolution auf: Entweder .„...zersplittert sich das Leben vom Menschen in eine Vielzahl reflektierter Bewusstheiten, deren jede für sich der letzte Grund ist; oder aber.....trotz des entscheidenden und endgültigen Wertes der `Personen`, bleibt die Einheit der evolutionären Front unversehrt, und der Wert der Welt baut sich weiterhin solidarisch nach vorn auf .“ Das wird dann weiter ausgeführt. Für die Pflicht-Erfüllung, und das hieße ja vielleicht: für einen zukünftigen. Gottes- Dienst des einzelnen Menschen, findet sich auch hier kein konkreterer Hinweis, dem eine Ableitung aus den oben-erwähnten Triebkräften, den Erzeugenden der Evolution, zu Grunde liegen würde. Ebensowenig wie Hinweise zur genaueren Natur der Triebkräfte. Wir suchen weiter:4Alexander Gosztonyi schreibt in seinem Buch über die philosophische Anthropologie von T.d.C. „Der Mensch und die Evolution“: „Die Entstehung der Reflexionsfähigkeitbedeutet einen qualitativen Sprung in der Evolution", jedoch: „Teilhard untersucht die Entstehung der Reflexionsfähigkeit in ihren Einzelheiten nicht. Allerdings hat auch die Philosophie bis heute keine vollständige Entwicklungsgeschichte des Bewusstseins vorgelegt . Teilhard charakterisiert die Reflexionsfähigkeit erst in der Phase , in der sie bereits eine relativ hohe Stufe erreicht hat und vollausgeprägt ist. Seine Definition ist äusserst einfach. Er sagt: Das Tier weiß, aber es weiß nicht, dass es weiß. Der Mensch hingegen ist das Wesen, das weiß, dass es weiß.“Auch die Entwicklung der „Instinkte“, die in der vormenschlichen Evolution der Intelligenz und der Reflexionsfähikeit vorangehen, wird nicht von T.d.C. untersucht, wie in diesem Buch Gosztonyis an anderer Stelle abgehandelt wird.
5Die vertiefende Wissenschaft der Verhaltensforschung steckte zur Zeit des T.d.C. noch in den Kinderschuhen: Das angeborene Verhalten als ein charakteristisches Merkmal der jeweiligen Arten wurde noch nicht eigentlich einbezogen. Deshalb der oben- angekündigte Versuch, zuerst einmal Ergebnisse aktueller Verhaltensforschung hier zu verwerten.
Die Grund-Merkmale des Lebens wird man zugrunde legen können: Ernährung , Bewegung, Fortpflanzung, Selbstbehauptung in Kampf und Verteidigung, Anpassung an die Gruppe, ferner: Wachsamkeit, Fähigkeit zur zeitlich-begrenzten Anstrengung etc.
Im Rahmen jedes dieser Grund-Merkmale des Lebens sind besondere Triebkräfte wirksam als angeborene Verhaltensformen, unterschiedlich bei allenverschiedenen Arten, bis hin zum Menschen. Fehl-Verhalten , z.B. durch Trieb-Befolgung im Übermaß, sind natürlich nur zu definieren jeweils bezüglich gegebener Rahmenbedingungen, bezüglich Lebensalter, sozialer Konstellationen etc. Dazu lässt sich bekanntlich vieles sagen und schreiben, vor allem von der Psychologie. Aber liegen für den modernen Menschen nicht vielleicht auch bestimmte Abweichungen von angeborenen Triebkräften im allgemeinen vor, die mit unserer veränderten Lebensweise zu tun haben?
6Wolfgang Schmidbauer veröffentlichte 1974 bereits den Sammelband „Evolutionstheorie und Verhaltensforschung“ mit dem Anspruch : „ Humanethologie, Psychologie und Kulturanthropologie klären gemeinsam die Wurzeln menschlichen Verhaltens in der Evolution....Kein verkürztes,biologisierendes Menschenbild, wie aus der Schule von K. Lorenz...“. Enthalten ist darin ein Aufsatz „Offene Gruppen in der Evolution der Hominiden“ von Vernon Reynolds, der von Schmidbauer wie folgt eingeführt wird:
„..Er spürt den Gemeinsamkeiten des Sozialverhaltens der nächsten biologischen Verwandten des Menschen, der Vormenschen in der Hominiden-Reihe und der rezenten Formen von Homo sapiens nach,.....rekonstruiert ein Bild der ` offenen Gruppen`...,das erheblich überzeugender ist als die blutrünstigen Visionen aggressiver, territorialer Horden, wie sie vielfach noch das Bild vom `Urmenschen` bestimmen.“Vernon Reynolds auszugsweise:
„Menschen haben arttypische Verhaltens-Muster, die ihren sozialen und kulturellen Normen zugrunde liegen. Diese grundlegenden Muster haben sich aus dem Einfluss umweltbedingten Selektionsdrucks auf das Verhaltens-Repertoire der Vorfahren des Menschen entwickelt... mit kulturellen Variationen....in verschiedenen Formen, je nach Tradition und Ökologie jeder einzelnen Kultur.. ..Die typische Gesellschaft von Jägern und Sammlern hat sich entwickelt aus einem affenähnlichen Stadium des Nomadisierens (in der Savanne), der offenen Gruppen, der weitgezogenen Anerkennung von Verwandtschaften, sexueller Unterschiede in Temperamenten (auch bezüglich sexueller Arbeitsteilung) und Forscherdrang, einem Fehlen von Territorialität und der Vererbung von Verhaltensweisen wie dem Gebrauch von Werkzeugen, Waffen und Trommeln, dem Tanzen, dem Lager-Bau etc. ...
...Zusätzlich scheint mir, dass viele der Züge, die typisch für heutige Gesellschaften sind, wie Territorialismus, Inter-Gruppen-Aggression, starre autoritäre Strukturen, strikte sexuelle Normen und der Fortschritt in Kreativität und Technik aus einem Stadium stammen, in dem feste Ansiedlungen entstanden und viele soziale Instinkte zugunsten des größeren Selektionsvorteils für die Bevölkerung als Ganzes kontrolliert bzw. umgeleitet werden mussten.“Das alles wird von Reynolds hier genauer abgeleitet und ausgeführt. An anderer Stelle wird es in diesem Aufsatz für unser Thema noch deutlicher:
„..die Populationen, die sich fest niederließen, waren die erfolgreichsten in der Geschichte der menschlichen Evolution. Doch die Notwendigkeit nahe zusammen zu leben, muss einen großen Stress auf das menschenaffen-ähnliche Verhaltens- und Temperaments-Erbe ausgeübt haben, das an Nomadismus und fluktuierende Gruppen angepasst war....
....Unsere ererbten ( genetisch-programmierten) Instinkte sind auf einen anderen Lebensstil ausgerichtet....Als Art haben wir einfach noch nicht genügend evolutionäre Zeit gehabt, um uns (mit unseren Erbanlagen, sprich: unseren Triebkräften; der Verf.) an eine sesshafte Lebensweise anzupassen.“
Tiger und Fox werden von Reynolds zitiert:
Es ist in der Soziologie bisher „ der am wenigsten veränderliche Teil des menschlichen Sozialverhaltens vernachlässigt worden“..
.
- Im weiteren wird abgeleitet,“ wodurch der Gen- Pool der Menschheit weithin homogen gehalten wurde.“ ( vgl. dazu auch: „Verschieden und doch gleich. Ein Genetiker entzieht dem Rassismus die Grundlage“ von Cavalli-Sforza. ) –
7Reynolds schließt, bezüglich der Entwicklung in der Geschichte der sesshaften Menschheit:„Mit dem Aufbau dauernder Autorität und dem Erreichen echter Sprache wurden die Geschicklichkeiten, die für das Überleben einer besonderen Sozietät notwendig waren, durch Lernen auf jede neue Generation übertragen....Wenn ein wirksamerer Weg, bestimmte Dinge zu tun, erfunden wird, dann kann sich das Verhalten der ganzen Gesellschaft adaptiv ändern. Dieser Prozess erreicht dieselben Ziele wie die genetische Evolution, doch tut er es erheblich rascher.“
8
Das führt wieder zu dem Gedanken, dass wir modernen Menschen auch unser Weiterkommen gemeinsam mit Hilfe des Bewusstseins steuern müssen. Welche angeborenen Triebkräfte dabei in Zukunft helfen können, besser als bisher vielleicht, und was andererseits in unserer Zivilisations-Situation an gegebenen menschlichen Konflikt-Potentialen stärker beachtet werden sollte, muss neu überlegt werden.Die aufgekommenen Aggressionen und das übertriebene territoriale Besitzdenken in der verstädterten Welt, die inzwischen zu dicht besiedelt ist, gilt es also so weitgehend wie möglich über das allgemeine Bewusstsein, über das allgemeine Verantwortungsgefühl zurückzudrängen. Aber kann das im Leben der Völker ebenso wie im Leben jedes einzelnen gelten? Eine fast utopisch- schwierige Aufgabenstellung.
Der Konrad Lorenz -Schüler Paul Leyhausen spricht in diesem Zusammenhang (im Aufsatz „ Soziale Organisation und Dichtetoleranz “ in der Sammlung „Antriebe tierischen und menschlichen Verhaltens“ ) von „wesentlichen Triebkräften der sozialen Wechselwirkung und Organisation“, die verletzt sind: Für ein weltweites Bevölkerungs-Gleichgewicht „ist daher die einzige andere Möglichkeit“, neben der “Bombe als Versuchung“, „eine menschliche, vernunftgemäße Regulierung der Bevölkerungsdichte, d.h. Geburtenkontrolle“.Diese Meinung ist inzwischen wohl Allgemeingut. Kann sie umgesetzt werden?
9Wie wäre es, wenn wir es auch noch mehr mit den, gemäß Reynolds, in der menschlichen Natur existierenden „Tendenzen zum sozialen Verhalten“ versuchen würden ? Mit den „Verhaltensnormen“, die entwickelt wurden ( „jede Zunahme in der Wirksamkeit der interindividuellen Kommunikation gab den jagenden... Banden einen Selektionsvorteil“, in Verbindung mit der Kommunikation in den mehr lokalen Gemeinschaften, in denen sich die weiblichen und die jugendlichen Individuen organisierten ) und „die letzten Endes genetisch kontrolliert werden“ ?10
Sicher sind diese Triebkräfte - salopp gesagt - nicht ganz ausreichend praktiziert und umgesetzt mit dem Entfernen der Zäune von Grundstücks-Grenzen, mit gemeinsamem Wandern (im Laufschritt), Tanzen und Hütten-Bauen und sehr starker Varianz bei der Ernährung (vgl. vorne, Absatz 6).Ludwig Ebersberger (der die neue Aktualität von T. d, C. nachweist, in seinem neuen Buch „Glaubenskrise und Menschheitskrise“) spricht vom „Einigungs-Zwang“, dem die Menschheit in der `Kompressions-Phase` ausgesetzt ist.
Politiker und Städtebauer tragen offenbar besonders große Verantwortung. Manches ist von ihnen schon auf den Weg gebracht, vieles noch nicht. Auch die angeborene Affinität des Menschen zum Werkzeug- Gebrauch und zum Forschen (siehe oben! ) kann, auch hinsichtlich von Kommunikations-Medien,sicher noch hilfreich sein. ( Der Verfasser hat zum Thema `Stressarmes Wohnen` übrigens seinerzeit einstädtebauliches Projekt – einen Wohnberg - entworfen und veröffentlicht.)
Bei Teilhard de Chardin heißt es sinngemäß, dass in der `Noosphäre`, der nächsten Phase der Evolution, alle Menschen von der Liebe zur Menschheit ergriffen werden müssen. So ist die `Christogenese` zu erreichen. Das Ziel der Evolution heißt `Omega`.
Für die nächste Phase der Evolution könnten uns auch, im Wege einer neuen `Emergenz`, ganz neue Kräfte und Fähigkeiten zuteil werden, zuwachsen.
Bei K. Lorenz liest sich das so (allerdings auf die Vergangenheit bezogen):“Es liegt im Wesen des schöpferischen, organischen Werdens, dass dieses immer wieder völlig Neues und Höheres schafft, das in der Vorstufe, in der es seinen Ursprung nahm, in keiner Weise vorgebildet oder auch nur enthalten war.“
Nicht nur auf erkennbar-vorhandene Trieb-kräfte sollten wir deshalb setzen, wir könnten gewiss auch darauf vertrauen, dass, um im Bilde zu bleiben, von Omega aus ein Sog oder ein Zug auf uns ausgeübt wird.
11.Es gibt doch auch offenbar eine Evolution der Religionen: Zu den entscheidenden Triebkräften innerhalb der Entwicklung der Menschheitsgeschichte ist sicherlich die Religiosität zu rechnen, das erst allmählich wachsende Verständnis für einen Gott als letzter Autorität, der über die Führung jedes einzelnen Menschen seinen Einfluss ausübt.12
Zugrunde liegt dem ursprünglich gewiss die Triebkraft jedes Individuums, sich innerhalb der Gruppe dem Stärksten anzuschließen, unterzuordnen.Unterordnung unter Gott, wie weitgehend?
Wir kommen damit zur Ausgangs – Frage zurück.
Themen, die in diesem Zusammenhang erarbeitet und diskutiert werden müssen, sind zum Beispiel :
• Weitere Technische Möglichkeiten im Städte-Bau, um dem Distanz-Bedürfnis zwischen den Bewohnern gerecht zu werden.• Wie weit sind konkret-abzuleitende Glücks-Gefühle und Angst-Gefühle, die aus der Evolution, genauer: aus der Savannen- Phase der Menschheit, stammen, in frühe „magische“ und „animistische Religionen“ eingegangen und wieweit ist die Kenntnis davon wichtig für die Zukunft?
• Das Phänomen der Liebe in der Evolution (anders gesagt: die Selbstentäußerung) muss sicher noch besser verdeutlicht werden. Die Triebkraft, die zuerst nur Bestandteil der geschlechtlichen Vermehrung war, später auch dem Zusammenhalt und dem Überleben mehrerer Individuen in Familien, dann in Sippen gedient hat (einschl. Fürsorge...), in Stämmen und dann in Völkern, ist nun in Zukunft auf alle Menschen hin, auf die gesamte Schöpfung und über den Menschen hinaus zu entwickeln...(sehr ungenau gesagt...!)
* Eine Frage an Genetiker: Gibt es unterhalb der o.g. vererbten Eigenschaften des Menschen, die viele Jahrtausende gebraucht haben, um in das genetische Programm einzugehen, nicht auch eine Vererbung von Begabungen und von körperlichen Details zum Beispiel, die, (ohne Genmanipulation oder operative Eingriffe natürlich) in überschaubaren Generationsfolgen stattfindet ? Gibt es ansatzweise doch eine `Vererbung erworbener Eigenschaften` à la Lamarck ?
• Ob sich diese Gedankengänge mit Vertretern der christlichen Kirchen erörtern und vertiefen lassen? Sind sie eventuell auch hilfreich bei der Abgrenzung echter von falschen Religionen? Können sie helfen bei der Klärung, wo vernunft- gemäße Steuerungen bei der Lösung von Problemen in der großen Politik nicht ausreichen?
13
Die besondere Entwicklung der Gattung homo ist bekanntlich eng gekoppelt mit der Entwicklung, wenn nicht gar verursacht durch die Entwicklung eines besonders ausgeprägten sozialen Verhaltens. Es handelt sich dabei, wie wir gesehen haben, offenbar um eine „Triebkraft“, eine bereits genetisch veranlagte Eigenschaft, die den Menschen, wenn sie richtig eingesetzt wurde, zu immer neuen Überlebens-Vorteilen auf unserem Planeten verholfen hat. Viele Beispiele lassen sich anführen, auch schon aus der Zeit der Hominiden in der Savanne; die Stichworte dazu heißen: Intelligente Zusammenarbeit, Arbeitsteilung und gerechte Verteilung der gemeinsam erreichten Vorteile bzw. Güter. Aber:
Wir sollten in diesem Zusammenhang auch beachten, dass bestimmte Kontrollfunktionen mit dieser Triebkraft eng verbunden sind. Mechanismen zur Abstrafung von Abweichlern und Trittbrettfahrern sind in das soziale Verhalten des Zusammenlebens der Gruppe eingebaut. Das ist, wie im weiteren aufgezeigt wird , ein Ergebnis neuer interdisziplinärer Forschungen. Und es gibt offenbar auch hier, wie für die anderen Triebkräfte (vgl. in Teil 1, “Triebbefolgung im Übermaß“) beim Menschen deutliche Erscheinungsformen von Wucherungen dieser angeborenen Triebkräfte des Bestrafens.
In diesem Papier soll aus diesem Zusammenhang noch eine Hypothese abgeleitet werden: Die angedeuteten Bestandteile des angeborenen sozialen Verhaltens könnten letztlich dafür verantwortlich sein, dass es in der menschlichen Geschichte der letzten Jahrhunderte gelegentlich zu signifikanten Perversionen der Sozial-Mechanismen gekommen ist.Was ist gemeint? Das soll hier etwas ausführlicher abzuleiten versucht werden.
Und schließlich auch (unter 14): Was bedeutet dieser Zusammenhang für unsere Fragestellung „Wie soll es weitergehen?“ (vgl. Teil
Der kanadische Verhaltensforscher Keith Jensen hat auf Beobachtungs-Ergebnisse aufmerksam gemacht, die den Beweis enthalten, dass im Zusammenleben von Schimpansen keine „Bosheiten“ auftreten. Obwohl sie sich doch auch heftig schikanieren können, die eigentlichen Bosheiten aus Neid und Missgunst und Schadenfreude können bei ihnen nicht beobachtet werden.14
Derlei „niederträchtige“ Verhaltens- Formen können erst den homo sapiens umtreiben, wie kein anderes Wesen. Und das auch bereits im kindlichen Alter. Rafaela von Bredow berichtet darüber im „SPIEGEL“ 5/2006. Sie schreibt wörtlich:
„hinter Jensens Versuch stecken fundamentale Fragen, die derzeit Neurobiologen, Evolutionsforscher und Ökonomen heiß diskutieren und deren Beantwortung sie mit raffinierten Versuchen an Kindern, Erwachsenen und Affen gerade ein ganzes Stück näher gekommen sind: Woher stammt die Missgunst? Wozu ist sie gut? Und schleppt der Mensch sie als uraltes Erbe der Evolution mit sich herum? Dann müsste sie ja bereits bei den Primaten vorhanden sein“ Nein : Das also konnte für Schimpansen per Experiment ausgeschlossen werden. Vielmehr sind es erst die Menschen, die sogar „durchaus zum Verzicht bereit sein können, wenn sie damit nur ihrem Gegenüber eins auswischen können.“ Keith Jensen: “...Angebote werden abgelehnt ..aus purer Bosheit, nur um den anderen zu bestrafen für unfaires Verhalten.“
Ein innerhalb der Menschheitsgeschichte entstandener evolutionärer Sinn der
Bosheit also: Strafe soll zur Fairness bzw. zum angepassten Verhalten erziehen. - -Ich ergänze hier: Der Abweichler (auch der vermeintliche Abweichler) kann auch unverhältnismäßig bestraft werden, wenn er den Zielen der Gruppen-Aktivität nicht nützt. Die Kontrolle müsste wohl ihrerseits kontrolliert werden? -Der Ökonom Ernst Fehr von der Universität Zürich wird im gleichen Sinne zitiert mit seinen Ergebnissen: Die Fähigkeit zu kooperieren sei für den Menschen absolut fundamental. So müsse einst die „ altruistische Bestrafung“ aufgekommen sein und mit ihr die Bosheit, das Strafen um des Strafens willen...Die Bereitschaft Regelverletzungen und nichtkooperatives Verhalten zu sanktionieren sei entscheidend, um die Familien, Gemeinden etc., um die Gesellschaftsordnung...aufrechtzuerhalten. Ein feiner Sinn für Fairness, für Gerechtigkeit, habe sich zwar im Menschen herausgebildet.....“Kinder besitzen offenbar ein besonders ausgeprägtes Gespür für Gerechtigkeit“ (!).. was den Tieren grundsätzlich fehle. Aber eben auch:
Die Schadenfreude über die Bestrafung Ungerechter sei tief in der menschlichen Biologie verankert.
Gehirnforscher können Beobachtungs-Ergebnisse liefern, die dazu passen.
Passt zu diesen Forschungsergebnissen nicht genau das Phänomen der Bestrafung nicht nur von „Parasiten“, sondern auch von Andersdenkenden in modernen weltanschaulich –gleichgeschalteten „Volksgemeinschaften“ und „klassenlosen Gesellschaften“ und „Gottesstaaten“ ? Diese Problematik wächst offenbar mit der quantitativen Größe, d. h. mit der Unübersichtlichkeit der „Gruppe“
(auch spielen hier wohl wieder die Aggressionen aus zu hoher Dichte mit hinein, s.o.)
Der innere Feind wurde dort und wird dort mit unangemessen-deutlichen Strafen belegt, wird oft brutaler verfolgt als der äußere Feind. Beispiele gibt es genug.
Der Gleichheits- und der Gerechtigkeits–Sinn aus der menschlichen Evolution können pervertiert werden, besonders heute im Zeitalter des Globalisierung, solange und soweit eine auf Pluralität gegründete Rechtsprechung nicht funktioniert, weltweit. Sind im Rahmen der UNO und anderer internationaler Gemeinschaften schon die ausreichenden Wege beschritten?
Hier sollten wir wichtige Aufgaben der Zukunft erkennen und zu konkretisieren versuchen. Kann nicht jeder irgendeinen Beitrag leisten? Hilfreich sind z. B. sicher auch die Unterstützungen von gemeinsamen internationalen Aktionen zur Lösung globaler Probleme. Dies entspräche den angeborenen menschlichem Fähigkeiten (s.o. unter Punkt 13) und kann alle Menschen in der globalisierten Welt stärker zusammenschmieden. Man kann dieses Feld nicht nur den Juristen überlassen.Es gibt ja doch auch neue Beweise für die Erlernbarkeit von Altruismus, auch nicht erst beim Menschen: Nadine Löser berichtet in SCIENTIFIC AMERICAN (Heft 07.2003) von Versuchs-Reihen mit Blauhähern, die selbstloses Verhalten - bei der Nahrungsaufnahme - erlernen können.
Die Menschen auf dem Weg zu Teilhards Noosphäre und mit der neuen Kenntnis von einem Sinn der Evolution (s.Teil 1) haben erst recht diese Chancen. Mit der bewussten (demokratischen!) Steuerung der sozialen Möglichkeiten und damit in Analogie zu der Beherrschung anderer Triebkräfte.
Journal
Das 22. Teilhard-Seminar der Deutschen Gesellschaft
Teilhard de Chardin fand statt vom 19.-21. April 2002 im Kloster
Ottobeuren/Unterallgäu.
Thema: die Eingangskapitel des Hauptwerkes Teilhards
"Le phénomène humain - Der Mensch im Kosmos". Es handelte
sich um den Prolog "Voir - Sehen" und den Eingangsabschnitt "Die
elementare Materie" des 1.Kapitels "L´Etoffe de l´Univers -
Der Weltstoff"
Diese Texte wurden sowohl in der französischen Urfassung als
auch in der deutschen Übersetzung philologisch und philosophisch durchgearbeitet
und hierbei einige Unzulänglichkeiten in der deutschen Übersetzung
festgestellt. Besonders herausgearbeitet wurde die (weithin weder gewürdigte
noch überhaupt wahrgenommene) wissenschaftstheoretische Akkuratesse
Teilhards.
Besonders stark beeindruckten hierbei folgende Passagen aus dem Prolog "Voir" ("Sehen"):
"Seitdem der Mensch
ins Dasein getreten ist, wird er sich selbst zum Schauspiel dargeboten.
Seit Jahrtausenden betrachtet er tatsächlich nur sich selbst. Und
dennoch hat er kaum erst begonnen, eine wissenschaftliche Ansicht
über seine Bedeutung innerhalb der Natur der Welt ("Physique
du monde") zu gewinnen. Wundern wir uns nicht, daß dieses Erwachen
so langsam vor sich geht! Oft ist nichts schwieriger wahrzunehmen, als
was uns 'in die Augen springen' sollte. Bedarf das Kind nicht einer Erziehung,
um die Bilder zu scheiden, die sich seiner eben erst dem Licht geöffneten
Netzhaut aufdrängen? Der Mensch bedurfte zur endgültigen Entdeckung
des Menschen einer ganzen Reihe von 'Sinnen', deren stufenweise Erwerbung
- wir werden es noch zeigen - sich mit der Geschichte der Geisteskämpfe
deckt und ihre Epochen bestimmt
Sinn für den in
seiner Größe und seine Kleinheit unermeßlichen Raum ...
... ...
Sinn für die Tiefe
der Zeit ...
Sinn für die Zahl,
der unbeirrbar die schwindelerregende Menge belebter und unbelebter Elementa
aufdeckt ... ... ...
Sinn für Proportion
... ... ...
Sinn für Qualität
... dem es gelingt, ohne die phyxsische EInheit der Welt zu brechen, in
der Natur ...Stufen von Wachstum und Vollkommenheit wahrzunehmen... ...
...
Sinn für Bewegung,
der fähig ist, den unwiderstehlichen Fortschritt zu entdecken, der
sich hinter der langsamsten Entwicklung verbirgt - die äußerste
Bewegtheit unter dem Schleier scheinbarer Ruhe - das völlig Neue,
das sich mittenin die einförmige Wiederholung des Gleichen hineinstiehlt.
Und schließlich
Sinn für das Organische, der aus dem Nebeneinander, das die Oberfläche
darbietet, die natürlichen Zusammenhänge und die strukturelle
Zusammengehörigkeit des Nacheinander und des Miteinander herausfindet
..."
Die Leitung hatte Herr Gerhard H. Sitzmann, Abensberg.
GESELLSCHAFT
TEILHARD DE CHARDIN FÜR DEN DEUTSCHEN SPRACHRAUM. 1. VORSITZENDER
GERHARD H. SITZMANN GESCHÄFTSSTELLE. GESELLSCHAFT TEILHARD
DE CHARDIN - POSTFACH 38 - D-93322 ABENSBERG
Bericht über die Tagung am Samstag, 6.Dezember 2003 aus
Anlaß des 40-jährigen Bestehens der Gesellschaft
Referenten und Themen:
Dr.med. Ludwig Ebersberger, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats)
zum Thema: Die Grundgedanken Teilhards. Ihre Entstehung und ihre neue Aktualität
P. Dr. Franz-Josef Steinmetz SJ, Heilszuversicht aus dem Ursprung:
Christologische Perspektiven im Kolosser- und Epheser-Brief
P.Dr.Johannes Seidel SJ: Le Milieu Divin von Pierre Teilhard de Chardin
und die Geistlichen Übungen des Ignatius von Loyola
Prof.emer. Dr. Horst Ruprecht, Präsident der Gesellschaft Teilhard
de Chardin: Amorisation als Zentralbegriff der Christogenese.
Tagungsort: Forum der Jesuiten, Maxburgstr. 1 , D - 80333 München
(Rückseite der Michaelskirche), Nördl.Parallel - Straße
der Fußgängerzone der Neuhauser-Kaufinger-Straße
Die GESELLSCHAFT TEILHARD DE CHARDIN IN NORDRHEIN-WESTFALEN E.V.
(Tochtergesellschaft der Dt.Ges. T.d.CH.)
hielt am 11.9.2001 ihre Jahres-Hauptversammlung ab. Hierbei wurde
beschlossen, mit dem Verein "NATURWISSENSCHAFT UND GLAUBE" - einer Unterorganisation
der Gemeinschaft katholischer Männer und Frauen im Bund Neudeutschland
- gegenseitige Mitgliedschaft zu vereinbaren.
Lesetreffen finden statt jeweils am 2.Dienstag jedes Monats um 17
Uhr im Seniorenzentrum St.Maria, Schwalbengasse 3, 50667 Köln.
Kontaktadressen der Gesellschaft Teilhard de
Chardin in Nordrhein-Westfalen: Jörg Guttenberger, Röttgensweg
16/II, 51107 Köln.
E-mail: Guttenbergerkoeln@t-online.de. und Teilhard NRW@web.de,
Tel/Fax: 0221 8019657
Kontaktadresse des Vereins "NATURWISSENSCHAFT UND GLAUBE e.V.":
Dr.Gerd Weckwerth, Forststraße 86, 51107 Köln, Homepage im World-Wide-Web:
www.nugev.de
Kontaktadressen für weitere Lesekreise:
Frau Ingrid Schirm für den Raum Kempten (Allgäu)
Walter-von-Hoheneck-Str. Str. 2
87474 Buchenberg/Allgäu
Tel. u. Fax 08378 1311
Herr Helmut Auchter für den Raum Ravensburg
Mittelöschstr. 42, 88213 Ravensburg, Tel.0751 62029
Herr Hubert Nagel für den Raum Lauterbach
Kirchplatz 4, 78730 Lauterbach
Tel. 07422 4316; Fax 07422 2464202
Frau Regina v. Szemeray für den Raum München
Lamontstr. 18, 81678 München, Tel. 0894 7099799
Pfarrer Richard Schitterer in Bad Waldsee
88339 Bad Waldsee
Dekan Dr.Mathias Trennert-Helwig
Pfalzgarten 4, 78462 Konstanz
Herr Dekan Dr.Mathias Trennert-Helwig,
Konstanz (näh. s.a. Bibliographie) veranstaltet alljährlich ein
Teilhard-Seminar im Kloster Heiligkreuztal (Baden-Württemberg, nahe
Riedlingen).
Kontaktadresse der ASSOCIATION
DES AMIS DE P.TEILHARD DE CHARDIN
38. rue Geoffroy-Saint Hilaire F-75005 Paris.
URL: http://www.teilhard.org
E-mail: secretariat@teilhard.org
Kontaktadresse der
Groupe de lecture Teilhard de Chardin de Nantes:
http://perso.wanadoo.fr/michel.bay/
In Gründung begriffen ist eine
Persönliche Mitglieder sind Wissenschaftler, Erfinder, Förderer,
Kollektivmitglieder wissenschaftliche Institute, Vereinigungen, Stiftungen,
Initiativen, Werkstätten, Verlage.
Präsident: Hans Kaegelmann, Arzt, Philosoph, Schriftsteller, Adresse wie oben.
Vizepräsident: Dr. Gerhard Pretzmann, Zoologe, emeritierter Abteilungsleiter des Wiener Naturhistorischen Museums; Landstraßer Hauptstraße 24/6, A-1030 Wien. Mediensprecher: Gerd Zesar, Mittelstraße 31, D-53925 Kall-Golbach. 0(49)2441/Tel. 6049, Fax ebenso. E-mail: gerd-zesar@t-online.de. Drei weitere Vorstandsmitglieder.
Regionalrepräsentanten in Norwegen, Österreich, Polen, Spanien, Portugal, Thailand, Indien, China, Brasilien, USA, deutsche Postleitzahlgebiete 1-9.
Ehrenmitglieder: Prof. Dr. Rudolf Gross, emeritierter Ordinarius
der Medizinischen Universitätsklinik Köln und dito Leiter des
wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Ärzteblatts. der Zeitschrift
der deutschen Bundesärztekammer.
José Lutzenberger, Diplom-Landwirt, Alternativ-Nobelpreisträger,
Umweltminister Brasiliens a. D., bekanntester Regenwaldschützer und
Landwirtschaftseformer, Gründer der Stiftung Gaia. Rua Jacinto
Gomes 39, 90.400-270 Porte-Alegro -Rs, Brasil; Prof. Dr. h.c. Günther
Schwab, Förster, Roman-, Film-, Essay-Autor, Initiator des Weltbundes
zum Schutze des Lebens, des Menschen-, Natur-, Tier und Gesundheitsschutzvereins
und der Zeitschrift "Lebensschutz", vormals "Der stille Weg", Salzburg.
Organisator bestimmter Interdis-Veranstaltungen und -Aktivitäten: Hans-Joachim Ritter, Leiter der Stiftung Ökologie und Demokratie, Siemensring 54, D76761 Rülzheim. 0(49)7272/Tel. 3648, Fax 76612. E-Mail Stiftung-fuer-Oekologie-u-Demo@t-online.de
Interdis-Zweck: Bestmögliche Orientierung durch voll seriöse universale, ausgewogen sowohl analytisch wie integral interdisziplinär, fundamental wie detailliert speziell vorgehende Wissenschaft, die frei von Geltungs- und Geld-, Karriere- und Profitstreben, geltenden aber nicht gültigen Paradigmen und Dogmen, anderen Motiven als als unvoreingenommenem Streben nach Wahrheitserkenntnis und Wohlfahrtsproduktion bleibt, in kooperativer Zusarnmenarbeit mit ähnlich eingestellten wissenschaftlichen Gesellschaften und Vereinigungen, die Spezialbereiche bearbeiten.
Vizepräsident G.Pretzmann (Anschrift s.o.) leitet eine schon seit über einem Jahrzehnt regelmäßig erscheinende Zeitschrift namens AGEMUS NACHRICHTEN WIEN - MENSCH UND UMWELT AKTUELL.
Das Wort AGEMUS bedeutet:
A rbeits-
G emeinschaft
E volution
M enschheitszukunft
U nd
S innfragen.
Diese Arbeitsgemeinschaft war zu Beginn der 80-er Jahre an der Universität
Freiburg i.B. durch den Biologen Prof. Carsten Bresch zusammen mit
Teilhard-begeisterten Studenten gegründet worden. Aber nur ihr Wiener
Kreis konnte sich erhalten und hat sich nun als korporatives Mitglied (nach
dem Modell gegenseitiger Mitgliedschaft) der INTERDIS angeschlossen.
Aus dem Freiburger Kreis gingen mehrere Buchautoren hervor, wie
z.B. die hier schon genannten Autoren Mathias Trennert-Helwig und Thomas
Broch.
Mystik
der Vereinigung
Das Internationale Teilhard-Colloqium 2003 in
Straßburg
Eindrücke und Reflexionen
von Ludwig Ebersberger
„Wir träumen mitten in 20. Jahrhundert noch immer von einer
Welt, in welcher der Einzelne in den Fortschritten der menschlichen Gemeinschaft
lediglich ein immer besser werdendes Sprungbrett sieht, von dem aus er
sich in eine gänzlich unabhängige und «individualistische»
Lösung des Lebensproblems flüchten kann ... Und weil unser Blick
von diesem Blendwerk gefangen ist, das uns die Illusion gibt, Fülle
und Überfluß warteten auf uns, lassen wir ... die zweite, völlig
andersgeartete Möglichkeit außer acht; eine Möglichkeit,
deren erste Zeichen sich jedoch überall häufen, sei es nun auf
wirtschaftlichem, politischem oder philosophischem Gebiet. Diese Vorzeichen
weisen darauf hin, daß die Gemeinschaftsbildung keineswegs dabei
ist, sich bequem zu bescheiden und unserem privaten Nutzen unterzuordnen,
wie wir uns so gerne einreden möchten, daß sie vielmehr unentwegt
und allen sichtbar vorwärts schreitet auf dem Wege einer nicht mehr
aufzuhaltenden Vereinigung".
So der Jesuit und Paläontologe Teilhard
de Chardin im Jahre 1949 in seiner Vorlesung „Die zoologische Gruppe des
Menschen“ an der Sorbonne. Damals als zwar interessante, jedoch wissenschaftlich
bedeutungslose These gewertet, beginnen diese Worte sich heute mit geradezu
beängstigender Konsequenz zu bewahrheiten - wir sind Zeitzeugen jenes
urgewaltigen, Augenblickes in der Geschichte der Menschheit, da dieser
erstmals bewußt zu werden beginnt, daß sie von nun an unwiderruflich
und für alle kommenden Zeiten unter fortschreitendem Einigungszwang
stehen wird. Die Menschheit ist allseitig an ihre Grenzen gestoßen.
In ununterbrochener Folge führen das geradezu explodierende Menschheitswissen
und der damit verbundene technische Fortschritt zu immer gefährlicheren
krisenhaften Situationen und globalen Bedrohungen, die sich mit völlig
neuen ethischen Problemstellungen verbinden, und deren Bewältigung
nur einvernehmlich und in konstant zunehmender globaler Kooperation möglich
ist. Sie zwingen die Menschheit im Interesse ihres Überlebens auf
Wege, die zu gehen ihr vielleicht schon in naher Zukunft alle Kräfte
abverlangen, d.h. sie in ihrer Totalität fordern werden, und damit
auch - und gerade besonders - im Bereich des Religiösen.
Schon ist das Wort „Globalisation“ in aller Munde -
leider aber weit überwiegend in verhängnisvoller Einengung auf
wirtschaftliche Belange. Tatsächlich aber gilt es nun, in einem Prozeß
der „Planetisation“ (Teil-hard) die Biosphäre und die Welt der menschlichen
In-teraktion (die „Noosphäre“) miteinander zu versöhnen und zu
einem einzigen System zusammenwachsen zu lassen mit auf Dauer angelegten
materiellen und ener-getischen Kreisläufen nach der Art, wie wir sie
in Organismen und Ökosystemen vorfinden. Der Einsicht, daß dies
nicht möglich sein wird ohne Einbeziehung der religiösen Dimension
- d,h. ohne das Bewußtsein unmittelbarer existentieller Mitbetroffenheit
und Mitverantwortlichkeit des Einzelnen, im Wissen darum, daß es
sich hierbei um die letztliche Bestimmung des Menschengeschlechtes handelt
- wird sich heute wohl niemand mehr entziehen können.
Mit den damit verbundenen, gegenwärtig am nächsten
liegenden Fragen befaßte sich ein internationales Colloquium, zu
dem die französische Gesellschaft der Freunde Teilhards zum 7.-9.Nov.
nach Straßburg eingeladen hatte. Kurz vorher (19/22.Okt.) hatte sie
in Peking, wo Teilhard 20 Jahre lang als Paläontologe tätig gewesen
war, mit führenden chinesischen Wissenschaftlern und Institutsleitern
ein ähnliches Kolloquium veranstaltet.
Die Eröffungssitzung fand im Europa-Parlament
statt, die weiteren Veranstaltungen im Centre culturel St.Thomas. Themen:
Aufbau der Erde („Construction de la Terre“), Bewältigung („Maîtrise“)
der Planetisa-tion und - wohl als wichtigstes - Teilhard und die christliche
Mystik der Tat. Herausragend das Referat von Prof. Ursula King (Bristol)
über „Die Liebe als oberste Quelle der menschlichen Energie“. Sie
machte klar, daß Liebe nicht statisch verstehbar ist und Mystik nur
in Richtung „Vereinigung“ zielen kann. Es gehe nun um die „Amorisierung“
(eine Teilhard’sche Wort-prägung) der Menschheit, die - gleichzeitig
und unabhängig von Teilhard - auch der russische Soziologe P.A.Sorokin
forderte, der, unter Lenin zum Tode ver-urteilt, nach seiner Flucht in
die USA an der Havard-Univ. ein kultursoziologisches Institut gründete
(1930), wo er seine Lehre weiterentwickelte.
Wie hier ergänzend bemerkt sei, hat auch
Sigmund Freud in seiner Schrift „Das Unbehagen in der Kultur“ (1930/31)
im „Eros“ die einzige rettende Kraft gesehen, welche die Selbstzerstörung
der Menschheit verhindern könne, und die „vereinzelte menschliche
Individuen, später Familien, dann Stämme, Völker, Nationen
zu einer großen Einheit zusammenfassen“ solle. „Diese Menschenmassen
sollen libidinös aneinander gebunden werden; die Notwendigkeit allein,
die Vorteile der Arbeitsgemeinschaft werden sie nicht zusammenhalten“.
Der „Kampf“ zwischen Eros und Destruktionstrieb ist „der wesentliche Inhalt
des Lebens überhaupt, und darum ist die Kulturentwicklung kurzweg
zu bezeichnen als der Lebenskampf der Menschenart“. Dies etwa um die gleiche
Zeit, als Teilhard - der der Geschlechterliebe wie Freud eine sublimierbare
(d.h. zu vergeistigende) „kosmische Kraft“ sah (1918 hatte er eine „Hymne
an das ewig Weibliche“ verfaßt) - das biblische Liebesgebot als gleichsam
erweitert wahrnahm. Die gebietende Stimme sage nicht mehr nur: „Liebt Euch,
um vollkommen zu sein“, vielmehr füge sie hinzu: „Liebt Euch, oder
Ihr geht zugrunde“ (1934).
Bernard Pierrat sprach über „Sinnsuche angesichts
der Zukunft der Erde“, Christiane Roederer, Praesidentin des Schriftstellerverbandes
Elsaß-Lothringen-Belfort, über „Teilhard und Albert Schweitzer
- von der Reflexion zur Aktion.“. Zu einem weiteren Höhepunkt
geriet das anschließende Podiumsgespräch, an dem acht Referenten
aus fünf europäischen Nationen teilnahmen, unter ihnen Mathias
Trennert-Helwig (Konstanz). Es entwickelte sich rasch zu einem Gedankenaustausch
über die „Messe über der Welt“. Teilhard hatte während der
Kämpfe an der Aisne (Chemin-des-Dames 1917/18) und ein zweites
Mal während eines Forschungsunternehmens in der ostasia-tischen Ordos-Wüste,
die Messe in Ermangelung von Altar, Brot und Wein auf dem „Altar der ganzen
Erde“ gefeiert und als Opfergabe „die Arbeit und Mühen der Welt“ dargebracht.
Daran anknüpfend verfaßte er, entsprechenden paulinischen und
thomasianischen Gedanken folgend, mehrere meditative Schriften, die auf
Verallgemeinerung und Dynamisierung des Inkarnationsgedankens zielen. Die
hieraus zu ziehenden Schlußfolgerungen betreffen unmittelbar, ja
geradezu elementar die Bestimmung des Menschengeschlechtes, die sich nicht
kürzer und prägnanter darstellen läßt als in den Worten:
Die Welt ist die in Christi Leib zu verwandelnde Hostie.
Die Frage stellt sich: weltvergessene Mystik - gibt
es das eigentlich? Handelt es sich hier nicht vielmehr um eine Neurose?
Und wie paßt es dazu, daß andererseits das von J.W. v. Goethe
geprägte Wort „Weltfrömmigkeit“ in der Theologie (von Ausnahmen
wie etwa Friederike Görres und Dorothea Sölle abgesehen)
noch immer als Fremdwort, wenn nicht gar als Unwort figuriert?. „Mystik
ist lebensnotwendig für die Religion der Zukunft“ lesen wir bei Theologen
wie Karl Rahner und Eugen Biser. Aber kann dies eine Mystik bringen, die
sich mangels Weltbezogenheit geradezu im Zustand des Austrocknens
befindet?
Allzulange haben es die christlichen Kirchen
versäumt, dem ihnen seit der Reformationszeit anhaftenden Image entgegenzuarbeiten,
unter Preisgabe ihrer Universalität zu einem Konglomerat rivalisierender
Vereine zur Erlangung individuell-privater Vergebung der Sünde Adams
verkommen zu sein. In nahezu völli-ger Erstarrung und in Ermangelung
jeglicher wirklichen Zukunftsvision für diese „gefallene“ Welt haben
sie seither konsequent und auf allen Gebieten immer nur den jeweiligen
Status quo verteidigt.
Teilhard hingegen ist es gelungen, die durch
die weltlichen Wissenschaften erschlossenen neuen Räume menschlichen
Denkens und Erkennens für die Religion gleichsam in Besitz zu nehmen,
und damit - um wieder Goethe zu bemühen - den „umwölkten Blick“
geöffnet „über den tausend Quellen neben dem Durs-tenden in der
Wüste“.
„Ich glaube“, sagt Teilhard, „die Welt wird sich nicht
zu den himmlischen Hoffnungen des Christentums bekehren, wenn sich
nicht zuvor das Christentum zu den Hoffnungen der Erde bekehrt.“
Unter diesem Zeichen stand auch die Messe am Sonntagmorgen
im Straßburger Münster, mit der die Tagung endete. Eindrucksvoll
und bewegend ausgestaltet in Conzelebration von zehn Priestern, schloß
sie mit einer Orgelmeditation von André Jolivet über Teil-hards
„Hymne an das Universum“.
Gekürzt veröffentlicht in Christ in der Gegenwart Nr.50/2003
Vielfältige Wirkungen –
50 Jahre nach dem Tod von Pierre Teilhard de Chardin
Die Diskussion um das Lebenswerk des Jesuiten ist
auch für Rom noch nicht abgeschlossen
Die Beerdigung des „Sohnes der Erde“ (I.F. Görres) war denkbar
einsam: nach seinem Tod am Nachmittag des Ostersonntags (10.4.1955) in
New York feierten etwa 10 seiner Freunde am Osterdienstag ein Requiem in
St. Ignatius, dann begleitete P. Pierre Leroy und ein weiterer Mitbruder
den Verstorbenen zum Jesuitenfriedhof St. Andrews–on-Hudson, etwa 160 km
flußaufwärts. Wegen des schlechten Wetters wurde der Sarg in
der Friedhofskapelle abgestellt – und später, so muss man vermuten,
vom Totengräber in die Erde gesenkt.
In seinen letzten Jahren mehrten sich Depressionen und Selbstzweifel:
„Wie kommt es, wenn ich mich umschaue und noch ganz berauscht bin von dem,
was mir erschienen ist, dass ich mich als der einzige meiner Art vorfinde?
der einzige, der gesehen hat?“ schrieb Teilhard im März 1955. Seine
Bücher und Essays waren fast sämtlich der römischen Zensur
zum Opfer gefallen. Seinen letzen Aufenthalt in Paris im Sommer 1954 mußte
er auf Befehl seiner Oberen abbrechen, die befürchteten, Teilhard
würde durch weitere Vorträge in interessierten Kreisen Unruhe
stiften.
Doch der geistige Nährboden für seine Visionen vom „kosmischen
Christus“ war optimal vorbereitet. Vor der Abreise zu einer paläontologischen
Forschungsreise nach Südafrika am 2.7.1951 hatte Teilhard seiner Sekretärin
Jeanne Mortier die Rechte an seinen Schriften testamentarisch vermacht
– auf Drängen seines Mitbruders Raymond Jouve, Administrator der Jesuitenzeitschrift
„Etudes“. Daß diese spontane Entscheidung die Publikation seines
Lebenswerkes tatsächlich gerettet hat, zeigt die restriktive Haltung
der Ordensleitung bis heute: die im Besitz des Ordens befindlichen Exerzitienaufzeichnungen
sind erst 2003 erschienen, die wichtigen Tagebücher 1920-1925 und
1944-1955 bis heute nicht. Die Tagebücher aus der Zeit des chinesischen
Exils (1926-1944) sind verschollen.
Jeanne Mortier machte sich sofort an die gewaltige Aufgabe, die immense
Menge an Büchern und Essays zu veröffentlichen, in denen Teilhard
seit 1915 sein Lebensthema zu Papier gebracht hatte: der „immer größere
Christus“ auf der Basis des modernen evolutiven Weltbildes.
Die Werkausgabe startete schon im Todesjahr Teilhards beim Pariser
Verlag „Seuil“ mit dem grundlegenden und umfangreichsten Buch „Le Phénomène
Humain“. Ein eindrucksvoller Kreis von prominenten Persönlichkeiten
übernahm das Patronat: dem „Ehrenkomitee“ gehörten neben Mitgliedern
der Familie Teilhard de Chardin und zahlreichen Professoren der ehemalige
Präsident der Republik Senegal, Leopold Sedar Senghor, sowie André
Malraux an. Im „wissenschaftlichen Komitee“ finden sich unter den 33 (meist
französischen) Gelehrten viele Naturwissenschaftler von Weltrang,
darunter George Barbour (Cincinnati), Johannes Hürzeler (Basel), Julian
Huxley (London/Paris), G. H. R. von Koenigswald (Utrecht), Jean Piveteau
(Sorbonne), Helmut de Terra (Deutschland/USA), Arnold Toynbee (London),
George G. Simpson (USA) und J. Robert Oppenheimer (Princeton).
Parallel zu der Werkausgabe, die 1976 mit dem 13. Band, der Autobiographie
„Das Herz der Materie“ abgeschlossen wurde, erschienen Briefsammlungen
(an Marguérite Teillard-Chambon, Léontine Zanta, Ida Treat,
Rhoda de Terra, Henri de Lubac, Pierre Leroy u.a., zuletzt 1993 an Lucile
Swan) und Einzelausgaben von Essays in verschiedenen Verlagen.
Die Übersetzungen in alle wichtigen Sprachen der Welt, auch in
Osteuropa, Rußland und Japan, sorgten für eine explosionsartige
Verbreitung des Teilhardschen Denkens, die ihresgleichen sucht. Trotz der
komplizierten Materie, die sich von den Naturwissenschaften über die
Philosophie und Theologie bis zu poetischen und mystischen Texten spannt,
und der nicht einfachen Sprache mit zahlreichen Neuschöpfungen, beschäftigten
sich eine absolut unüberschaubare Zahl von Menschen verschiedenster
Weltanschauungen in Seminaren, Zeitschriften, kirchlichen Kreisen und Schulen
mit den Texten und der Person des Geologen und Mystikers Teilhard.
Die in mehreren Bibliographien unvollständig erfaßte Sekundärliteratur
war schon Ende der siebziger Jahre auf über 10 000 Titel angewachsen.
Im deutschen Sprachraum begann 1959 der Verlag C.H. Beck mit der Übersetzung
des „Phénomène Humain“, die bis heute unverändert unter
dem Titel „Der Mensch im Kosmos“ erscheint. Der Walter-Verlag (CH-Olten)
edierte von 1962 bis 1972 die Bände 2 bis 10 der Werkausgabe, darunter
das spirituelle Hauptwerk „Das göttliche Milieu“ („Le Milieu Divin“).
Dieser Ausgabe, die heute nicht mehr lieferbar ist, kam die kompetente
Übersetzung des Teilhard-Spezialisten Karl Schmitz-Moormann (1928-1996)
und seiner aus Frankreich stammenden Frau Nicole zugute. 1990 folgte noch
die Autobiographie „Das Herz der Materie“.
In vielen Ländern wurden Teilhard-Gesellschaften gegründet,
die mit eigenen Zeitschriften ein Diskussionsforum boten und Lesekreise
einrichteten. In Deutschland brachte die Teilhard-Gesellschaft in München
die „Acta Teilhardiana“ heraus, in Freiburg erschienen seit 1967 zweimonatlich
„Perspektiven der Zukunft“, die von Dr. Wilhelm Kunz und (u.a.) von den
Professoren Alfons Deissler, Helmut Riedlinger, Walter Dirks, Karl Rawer,
Rudolf Henning und Alma von Stockhausen verantwortet wurde. Die Freiburger
Tradition wurde bis in die 90er Jahre von einer Arbeitsgemeinschaft unter
der Federführung von Helmut Riedlinger, Carsten Bresch und Thomas
Becker fortgesetzt, jahrelang ebenfalls mit einer eigenen Publikation,
dem „AGEMUS“-Rundbrief.
Kirchliche Hintergründe
Die Teilhard-Welle der 60er und 70er Jahre verdankte ihre Durchschlagskraft
vor allem dem theologischen Problemstau, der durch die anti-modernistische
Blockade des katholischen Lehramtes seit den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts,
vor allem aber unter Pius X. (Dekret „Lamentabili“ und Enzyklika „Pascendi“
1907) ausgelöst worden war. Sie richtete sich gegen philosophische
Strömungen der Spätaufklärung, vor allem aber gegen die
historischen, philologischen und biologischen Erkenntnisse der modernen
Wissenschaften, besonders wenn sie der traditionellen Schriftauslegung
oder der alles beherrschenden thomistischen Metaphysik widersprachen. Genau
dies traf auf das Paradigma der „Evolution“ zu, welches sich – von Darwins
epochalem Werk 1859 ausgehend – im 20 Jahrhundert zum umfassenden Verstehenshorizont
praktisch jeglicher Wissenschaft entwickelte.
Als Teilhard bei seinem einzigen Besuch in Rom 1948 um die Druckerlaubnis
seiner Oberen für das „Phénomène Humain“ nachsuchte
(und um die Erlaubnis, den angebotenen Lehrstuhl am „Collège de
France“ annehmen zu dürfen), beurteilte P. General Janssens die Evolutionslehre
als eine vorübergehende Denkmode, deretwegen die Kirche nicht ihre
„philosophia perennis“ in Frage stellen würde.
Teilhard, der auch mit 67 Jahren noch mit einer erstaunlichen, fast
kindlichen Naivität versehen war, hatte noch nicht begriffen, daß
allein der positive Gebrauch des Begriffes „Evolution“ alle Zugänge
unter der „thomistischen Diktatur“ (H. de Lubac) versperrte.
Die Erinnerung an die modernistische Krise vor dem I. Weltkrieg war
in den maßgeblichen Kreisen, vor allem beim Hl. Offizium, noch so
lebendig, daß der Dominikaner P. Garrigou-Lagrange schrieb: „Wohin
geht die <nouvelle théologie>? Sie kehrt zum Modernismus zurück.“
(„Angelicum“ 1946). Damit war der Stab über Teilhard, aber auch über
die anderen Vertreter dieser Strömung in Frankreich gebrochen.
Als Teilhard 1955 starb, hatte Henri de Lubac – mit Teilhard seit 1922
freundschaftlich verbunden - seine schlimmste Zeit gerade hinter sich.
Zusammen mit vier Professoren des Jesuitenordens an der Universität
Lyon hatte man ihm im Juni 1950 – kurz vor dem Erscheinen der Enzyklika
„Humani Generis“ - jegliche weitere Lehrtätigkeit verboten, ebenso
der Aufenthalt in Häusern der Gesellschaft Jesu und in der Stadt Rom.
Über Teilhard überhaupt zu schreiben, war im Orden verboten.
Die entscheidenden Impulse für den Schlag gegen die „jungen französischen
Jesuiten“ gingen vom Hl. Offizium aus, dessen wichtigster Berater P. Garrigou-Lagrange
OP war; unterstützt von P. Journet, P. de Boynes, P. Boyer und Jacques
Maritain, damals französischer Botschafter beim Vatikan. Sekretär
beim Hl. Offizium war Msgre Ottaviani, von 1959 bis 1968 dessen Präfekt.
1956 durfte de Lubacs Buch „Sur les chemins de Dieu“ erscheinen, im
März 1958 ließ sich Pius XII. dieses und „Méditation
sur l’Eglise“ überreichen und bedankte sich über P. Augustin
Bea, seinen Beichtvater, mit herzlichen und anerkennenden Worten. Im November
1959 konnte de Lubac seine Vorlesungen in Lyon wieder aufnehmen – niemand
wollte etwas mit den Verboten von 1950 zu tun haben.
Um in die heftig ausgebrochene Kontroverse zwischen Protagonisten und
Antagonisten Teilhards mehr Information auf der Basis von Texten zu bringen,
forderten die vier französischen Provinziale der Gesellschaft Jesu
mit Billigung ihres Generals de Lubac auf, sofort ein Buch über das
Denken Teilhards herauszubringen und so das noch immer verordnete Schweigen
der Gesellschaft über ihren inzwischen berühmten Sohn zu durchbrechen.
Nach gründlicher Zensur erschien im Frühjahr 1962 „La pensée
religieuse du Père Teilhard de Chardin“ (dt. „Teilhard de Chardins
religiöse Welt“ 1969). Aus Kreisen des Hl. Offiziums wurde sofort
die Indizierung des Buches gefordert, aber Papst Johannes XXIII. lehnte
dies ab. Man mußte sich mit einer offiziellen „Ermahnung“ („Monitum“)
begnügen, die am 1.7.1962 im „Osservatore Romano“ erschien und vor
den Irrtümern in den Werken Teilhards warnte. Der Papst soll von diesem
„Monitum“ und dem es begleitenden anonymen, also offiziösen Kommentar
unangenehm überrascht worden sein. Vor einer Gruppe französischer
Theologen wie auch dem Präsidenten Leopold Senghor gegenüber
soll er es als „bedauerlich“ bezeichnet haben.
Es war überdeutlich, daß in Rom heftige Auseinandersetzungen
hinter den Kulissen stattfanden, die sich auf de Lubac und Teilhard bezogen.
So sah sich de Lubac auf Weisung seines Generals gezwungen, Übersetzungen
und erforderliche Neuauflagen seines Buches zu verhindern, ein Verbot,
das er durch Abfassung eines neuen Werkes umging: „La prière du
Père Teilhard de Chardin“ erschien erstmals 1964, auf deutsch 1968
unter dem Titel „Der Glaube des Teilhard de Chardin“. Doch inzwischen hatte
sich das Ringen um eine gemäße Antwort auf die „Freude und Hoffnung,
Trauer und Angst der Menschen von heute“ in eine bedeutendere Arena verlagert:
das II. Vatikanische Konzil hatte begonnen und Henri de Lubac war von Papst
Johannes XXIII. in die vorbreitenden Kommission berufen worden.
Teilhard und das II. Vaticanum
Johannes XXIII. hatte sich nicht nur mit der Berufung von de Lubac
SJ, Yves Congar OP und anderen als „progressiv“ beurteilten Theologen über
das „Sanctum Officium“ mit Kardinal Ottaviani an der Spitze hinweggesetzt,
er hatte dem bereits arbeitenden Konzil am 20.10.1962 ausdrücklich
den Auftrag gegeben, sich der Bedeutung der Welt an sich, ihrer sozialen
Umwälzungen und der Bedeutung der Wissenschaften zuzuwenden. Damit
war das Lebensthema Teilhards auf der Tagesordnung. Er hatte 1936 an die
Kongregation „Propaganda fide“ in Rom geschrieben: „Die Welt wird sich
nicht zu den himmlischen Hoffnungen des Christentums bekehren, wenn sich
nicht zuvor das Christentum zu den Hoffnungen der Erde bekehrt (um sie
zu vergöttlichen).“
Engagiert vorangetrieben wurde das Thema der „Kirche ad extra“ von
Kardinal Montini; zum Relator des neu zu erarbeitenden Schemas wurde Kardinal
Suenens ernannt. Unter dem inzwischen entstandenen Zeitdruck erarbeiteten
belgische, französische, italienische und deutsche Theologen (u.a.
Joseph Ratzinger, Karl Rahner, Bernhard Häring, Ch. Delhaye, Jean
Daniélou, Yves Congar, Ch. Moeller) einen völlig neuen Text,
der nicht mehr der deklamierenden, deduktiven Kirchensprache seiner Vorgänger
nachempfunden sein sollte. Er wurde als letzte Konstitution des Konzils
am 7.12. 1965 mit 2309 zu 75 Stimmen beschlossen und verkündet.
Bis in die letzten Beratungen des Konzils hinein wirkte der Name Teilhards
extrem polarisierend. Auch für die Konzilsväter, die seine Schriften
nicht oder nur oberflächlich kannten, war er das Symbol für einen
„oberflächlichen“, „triumphierenden“ oder „poetischen Optimismus“,
der die Realität der Sünde gefährlich verharmloste (so auch
Kardinal Döpfner am 22.9.1965, ähnlich Erzabt Benedikt Reetz
und Erzbischof Marcel Lefebvre). Andere feierten den Jesuiten als „berühmten
Sohn der Kirche“, „frommen Priester und großen Wissenschaftler“ (Bischof
Otto Spülbeck von Meißen), „großen Visionär“ (Kardinal
F. König) oder gar als Vordenker des Konzils, was Joseph Ratzinger
einen „vergröberten Teilhardismus“ nannte. Sicher war Teilhards Name
einer der meistgenannten auf den Fluren des Konzils (René Laurentin),
ebenso sicher hatte der Kriegsteilnehmer und jahrzehntelange Exilant niemals
die konkrete Gestalt der Werde-Welt mit dem kommenden Reich Gottes verwechselt.
Die Tragweite der – heute vielleicht zu selbstverständlichen -
Aussagen von „Gaudium et Spes“ kann man nur ermessen, wenn man sie mit
den Worten des vorkonziliaren Lehramtes (bis „Humani Generis“ 1950) vergleicht.
Vom modernistischen Unbegriff war „Evolution“ zur lehramtlichen Beschreibung
der Welt mutiert: „So vollzieht die Menschheit den Übergang von einem
mehr statischen Verständnis der Ordnung der Gesamtwirklichkeit zu
einem mehr dynamischen und evolutiven Verständnis.“ (Gaudium et Spes
Art. 5)
Darüber hinaus erkennt man den Geist Teilhards in folgenden Themen
der Pastoralkonstitution:
• Die Herausforderung für die Kirche, vor dem Horizont des modernen
Weltbilds die Fragen nach dem Sinn angesichts des Übels und des Todes
zu beantworten (GS 10).
• Die Reifung der Menschheit zu einer planetaren, vernetzten Gemeinschaft
und die daraus folgende moralische Verantwortung (GS 1, 23, 42, 73, 84)
• Die besondere Würde der menschlichen Arbeit, die am dauernden
Schöpfungswirken Gottes teilnimmt (GS 33-35, 43, 57, 67)
• Eine innere Notwendigkeit für die Kirche, auf die „Zeichen der
Zeit“ (Johannes XXIII) zu achten (GS 4, 54)
• Die unabweisbare Relevanz des sich verändernden wissenschaftlichen
Weltbilds, dessen Erschließung durch Forschung, Technik und Bildung
(GS 5, 15, 36, 39, 61
• Das Geheimnis des Menschen im geschichtlichen Prozeß - von
Christus her als dem „Erstgeborenen der ganzen Schöpfung“ (Kol 1,15),
dem „Alpha und Omega“ (Apk 22,13) gedeutet (GS 10, 22, 32, 45, 93).
Für Mario von Galli SJ – einen vielbeachteten Beobachter des Konzils – stand fest: „Ich bleibe dabei. Dadurch daß dieses Schema gerettet wurde, vollzog sich die Rettung dieses Konzils!“
Der Erfolg des II. Vatikanischen Konzils und die Promulgation von „Gaudium
et spes“ war entscheidend Paul VI. zu verdanken, der bereits 1950 als Mitarbeiter
im Staatssekretariat an Henri de Lubac seine Wertschätzung übermitteln
ließ. Nachdem Montini 1954 zum Erzbischof von Mailand befördert
worden war, ließ er dort Lubacs „Méditation sur l’Eglise“
drucken und unter seinen Klerus verbreiten – in Rom war der italienischen
Übersetzung das Imprimatur verweigert worden. Für die Übersendung
von „La Pensée réligieuse du Père Teilhard de Chardin“
bedankte sich Monsignore Montini schriftlich, kurz bevor ihn das Konklave
am 21.6.1963 zum Papst wählte und so klar für eine konsequente
Fortsetzung des Konzils votierte. Einem Hinweis des Papstes an den Präfekten
der Gregoriana, P. Charles Boyer, war es auch zu verdanken, daß de
Lubac eingeladen wurde, ausgerechnet vor dem Thomistenkongreß an
der Gregoriana (6.-11.9.1965) einen Vortrag über das Denken Teilhards
zu halten.
Teilhard polarisierte die katholische Theologie
Hans Urs von Balthasar
Die Wirkung, die die Überzeugungsarbeit Lubacs innerhalb der katholischen
Theologie hatte, läßt sich exemplarisch an den Äußerungen
von Balthasars zeigen, der von 1933 bis 1937 sein Schüler in Lyon
war. 1963 verurteilt Balthasar Teilhard als den „neuen Nietzsche“, der
den Übermenschen proklamiere, für den „Gott ganz offenbar“ sei
als Konvergenzpunkt der Evolution. Beim Bau dieses „frommen Babelturms“
werde das Kreuz als Dreh- und Angelpunkt des Christentums eliminiert, darum
werde es sich gegenüber dem atheistischen Materialismus als viel zu
schwach erweisen. In „Cordula“ (1966) läßt Balthasar einen Christen
auftreten, der dem kommunistischen Kommissar als letzte Waffe „Teilhard
de Chardin“ entgegenschleudert und meint, er könne „auf dem sanften
Esel der Evolution in das himmlische Jerusalem einreiten“. Mit diesem System
„vom Atom bis zum Punkt Omega“ liquidiere sich das Christentum selbst.
Doch bereits 1974, im „antirömischen Affekt“, findet man Teilhard
als Beispiel für „seelischen Heroismus“ gegenüber römischer
Verfolgung, zusammen mit Newman, Blondel und de Lubac. In der „Theodramatik
IV“ von 1983 legt Balthasar eine umsichtige Würdigung Teilhards vor,
aus der jegliche Polemik verschwunden ist. Er weiß nun aus der Quellenbasis,
die Lubac ihm erschlossen hat, daß auch bei Teilhard „das letzte
Ziel von oben geschenkt wird, (...) gnadenvoll und ohne daß die Entwicklung
es forden könnte.“
In der sein Lebenswerk abschließenden „Theologik (III)“ von 1987
hält er die kosmische Christologie Teilhards für unerläßlich,
ja er empfiehlt sogar die „Centrologie“ Teilhards gegen eine zu individualistische
Frömmigkeit, obwohl dieser Essay von 1944 ein extremes Beispiel der
oft technologischen Sprache und Begrifflichkeit Teilhards darstellt. Tatsächlich
entwickelte Teilhard in allen Schaffensperioden eine bemerkenswerte Theologie
des Kreuzes, freilich immer im Licht des Ostergeheimnisses, in das hinein
es aufzusteigen gilt. Entscheidend für Balthasar war die Erkenntnis,
mit Teilhard seine Haupt-Intuition gemeinsam zu haben: den „katholischen“,
d.h.umfassenden Glauben auf der Basis einer radikal begriffenen Inkarnation.
Auch Romano Guardini fühlte sich von der „Teilhard-Welle“ zunächst
unangenehm berührt, weil er das „Modewerden immer als einen Einwand
gegen den Wert eines Gedankens oder einer Gestalt empfunden“ habe. In einem
Brief an seinen Freund Josef Weiger stellt er am 20.6.1964 jedoch ausführliche
Überlegungen zu Teilhard an und bekennt: „Nun ist mir der Name aber
bedeutungsvoll geworden.“ Seine Begründung trifft den Kern des modernen
Paradigmenwechsels von „Geschichte“: die Welt kann nicht mehr als pure
Bühne des eigentlichen (Heils-) Geschehens vernachlässigt werden,
das Weltwerden zeigt sich selbst als „Sache des Heils“ und bedarf der Deutung
durch das theologische Denken.
Karl Rahner
Karl Rahners geistige Wurzeln, die u.a. in der Philosophie und Theologie
der französischen Jesuiten (Rousselot, Maréchal) sowie bei
Blondel und der phänomenologischen Schule zu suchen sind, machten
eine Auseinandersetzung mit dem Ordensbruder Teilhard unausweichlich. So
überrascht es nicht, daß vor allem in der Metaphysik Rahners
dessen Sprache herauszuhören ist („Herz der Welt“, „Punkt Omega“).
Er nimmt auch ausdrücklich Bezug zu Teilhard, ohne sich „von ihm abhängig
oder auf ihn verpflichtet“ zu fühlen. In dem Essay „Christologie innerhalb
einer evolutiven Weltanschauung“ von 1962 spricht er der Materie eine „aktive
Selbsttranszendenz“ zu aus der „Kraft der absoluten Seinsfülle“, d.h.
Gottes, die als „Wesensselbsttranszendenz“ die Entwicklung über die
Stufen „Materie, Leben, Bewußtsein, Geist“ einschließe.
Katholische Philosophen
Jacques Maritain
Genau in dieser Überwindung der klassischen Substanz-Metaphysik
liegt die Todsünde aus der Sicht des Neuthomismus. Als deren Oberhaupt
im 20. Jahrhundert gilt Jacques Maritain, der – als Naturwissenschaftler
1906 zur katholischen Kirche konvertiert – Teilhard nach dem I. Weltkrieg
in Paris und 1953 noch einmal in New York traf. In seinem Alterswerk „Der
Bauer von der Garonne“ (1966) rechnet er nicht nur mit Teilhard, sondern
mit der gesamten nichthtomistischen modernen Philosophie ab. Im Kern zielt
die schäumende Polemik auf die Relativierung zwischen den Phänomenen
der Materie und des Geistes, die in der aristotelisch-thomistischen Metaphysik
substantiell und damit „für immer“ getrennt und in eine natürliche
und intelligible Ordnung gebracht sind. Dieser ewig wahre Kosmos wird durch
die „Ideosophie“ aller phänomenologischen Ansätze zerstört,
mit den katastrophalen Folgen für Dogma und Moral, die Maritain, sein
Lehrer Garrigou-Lagrange und die gesamte neuthomistische Schule bis heute
dem evolutionistischen Denken anlasten.
Der Philosoph und Konvertit Hans Eduard Hengstenberg wirft Teilhard
„die Konfundierung aller Selbstände und Prinzipien“ vor und resümiert:
„Solche Sätze hätten im abendländischen Raum nie geschrieben
werden dürfen.“ (1963)
Für Dietrich von Hildebrand ist Teilhard das „trojanische
Pferd in der Stadt Gottes“ (1968), der „Erzoberhäresiarch“ (1972);
er wünscht sich, „daß das große Wort <anathema sit>
wieder ertöne“.
Diese Beispiele müssen hier genügen, um die Richtungen anzuzeigen,
in die das geistige Erbe Teilhards gewirkt hat. Im Gegensatz zur kreationistischen
Linie der Freikirchen hat die Theologie der großen christlichen Kirchen
in Europa viele Sichtweisen integriert, die Teilhard noch als Pionier erkämpfen
mußte. Im katholischen deutschsprachigen Raum seien hier stellvertretend
Hans Küng, Walter Kasper, Gisbert Greshake und Wolfgang Beinert erwähnt.
Im Bereich der anglikanischen Kirche darf als kritischer Deuter Teilhards
Arthur Peacocke gelten, in den USA führt u.a. Thomas King die Diskussion
bis heute weiter.
In der evangelischen Theologie haben vor allem Sigurd M. Daecke, Jürgen
Moltmann und Wolfhart Pannenberg die Impulse Teilhards positiv aufgegriffen,
aber es gab auch harte Kritik von Seiten der Karl Barth verpflichteten
Richtung, wie sie Günter Altner in seiner Dissertation 1965 geübt
hat.
New Age-Bewegung
Eine Art Teilhard-Revival lösten die führenden Autoren der
New Age-Bewegung aus, nachdem Marilyn Ferguson („The Aquarian Conspiracy“,
1980) und Fritjof Capra („Wendezeit“, 1982) Teilhard als wichtigsten Zeugen
einer humanen, planetaren „Verschwörung“ (frz. „conspiration“) benannt
hatten. Bei aller Vielschichtigkeit des Phänomens lassen sich unbestreitbar
wesentliche Übereinstimmungen festhalten:
• eine spirituelle „Welt-anschauung“, die Erde und Kosmos in ihren
unabgrenzbaren Wechselwirkungen systemtheoretisch („holistisch“) deuten
will;
• die Prognose eines heraufziehenden „planetaren Bewußtseins“,
dessen positive Kräfte („Sym-pathie“) die Gemeinschaft der Menschen
und aller Lebewesen zu einem Einigungsprozeß zu bewegen vermag;
• eine neue, positive Bewertung der femininen Dimension des menschlichen
Geistes (Teilhard: „L’Éternel Féminin“, 1918).
Die erheblichen Differenzen haben vor allem Thomas Broch und Josef
Sudbrack herausgearbeitet, die Teilhard vor einer unberechtigten Vereinnahmung
zu Recht in Schutz nehmen:
• die Bewertung der asiatischen Religionen, vor allem des Reinkarnationsgedankens,
fällt bei Teilhard eher negativ aus;
• die Personalität de Menschen und des Endpunktes „Christus-Omega“
bildet für Teilhard eine irreversible Eigenschaft, die durch die Transformation
der Liebe gerade nicht aufgehoben, sondern vollendet wird;
• das Wirken Gottes in der Schöpfung sieht Teilhard pan-entheistisch
(1 Kor 15,28), nicht pantheistisch.
Zweifellos wird man Teilhard nur verstehen, wenn man den mystischen
Grundzug seiner Spiritualität genügend würdigt; sein von
den Biographen oft übersehenes Interesse für Esoterik veranlaßte
ihn aber zu klaren Distanzierungen in diese Richtung, z.B. gegenüber
H.P. Blavatsky und R. Guénon.
Die Reaktionen der Naturwissenschaftler
Teilhard war selbst professioneller Naturwissenschaftler mit lebenslanger
Leidenschaft für die Empirie; seine letzte Reise zu den wichtigsten
Ausgrabungsstätten Afrikas unternahm er mit 72 Jahren. Seine Publikationen
als Geologe und Paläontologe füllen zehn Bände („L’Oeuvre
scientifique“). Für seine Forschungsleistung, vor allem bei der Entdeckung
des chinesischen Frühmenschen („Sinanthropus pekinensis“), wurde er
1950 vom laizistischen Frankreich zum nichtresidierenden Mitglied des „Institut
de France“ erwählt und zum „Ritter der Ehrenlegion“ ernannt; in Philadelphia
(USA) erhält er 1937 die Gregor-Mendel-Medaille, auf vielen wissenschaftlichen
Kongressen referiert er als weltweit anerkannter Forscher. Damit war eine
wichtige Voraussetzung erfüllt, dem seit Jahrzehnten zumStillstand
gekommenen interdisziplinären Gespräch zwischen Theologie und
Naturwissenschaft einen neuen Anstoß zu geben.
Es überrascht nicht, daß auch die Reaktion vieler Naturwissenschaftler
äußerst
kontrovers ausfiel. Negativ äußerten sich erwartungsgemäß
die Vertreter mit einer dezidiert atheistischen oder agnostischen Sicht.
Der Nobelpreisträger für Medizin, P. Medawar, sah sich
in „Verzweiflung“ und „wirkliche Pein“ versetzt; der „Mensch im Kosmos“
sei „in der Tradition der Naturphilosophie beheimatet, einer philosophischen
Bastelei deutschen Ursprungs, die nicht einmal durch Zufall (wovon es doch
eine Menge gibt) etwas zum Bestand menschlicher Gedankenarbeit beigetragen
zu haben scheint.“ („Jahrbuch für kritische Aufklärung“, 1963)
Große Resonanz fand Jacques Monod, Molekularbiologe und
ebenfalls Nobelpreisträger für Medizin, mit seinem Buch „Zufall
und Notwendigkeit“ (1970), in dem er jegliche Zielgerichtetheit der Evolution
als „animistische Projektion“ verurteilt und den Menschen dazu aufruft,
„aus seinem tausendjährigen Traum [zu] erwachen und seine totale Verlassenheit,
seine radikale Fremdheit“ im Kosmos zu erkennen. Er weist ihm einen Platz
als „Zigeuner am Rande des Universums“ zu und folgt so der existentialistischen
Deutung von J.P. Sartre und A. Camus, in denen Teilhard selbst seine Antipoden
erkannt hatte.
Hie befinden wir uns an der Schlüsselfrage, ob der „Zufall“ als
Faktor der Mutation und damit Movens der Evolution das Gesamtgeschehen
der Evolution von jeder teleologischen Deutung ausschließt oder ob
die Einordnung der Mutationsergebnisse in größere Systeme sehr
wohl eine Zielfindung erlaube, wie sie Teilhard mit seinem grundlegenden
Gesetz von wachsender Komplexität und - damit korreliert – wachsendem
Bewußtsein behauptete.
Das Finalitätsproblem bildete auch den Kernpunkt der zahlreichen
populärwissenschftlichen Bücher des amerikanischen Evolutionsbiologen
Stephen
J. Gould (1941-2002). Vor allem in „Wie das Zebra zu seinem Streifen
kommt“ (1983) wendet er sich gegen jede Heraushebung des Menschen und dessen
geistiger Würde und ausdrücklich gegen Teilhard, der im „Phänomen
Mensch“ den Schlüssel zur Deutung der Evolution sehen möchte,
ohne damit deren Ende zu proklamieren. Daß Gould Teilhard der aktiven
Beteiligung an der Piltdown-Fälschung (1913) von angeblich anthropoiden
Fossilien bezichtigt, läßt den Geschmack eines fast religiösen
Eifers zurück, der sich gegen jede Sinndeutung der Naturgeschichte
wendet.
Der Freiburger Genetiker Carsten Bresch hat – ohne jede religiöse
Beeinflussung – die Unterstellung Goulds widerlegt. In seinem naturphilosophischen
Hauptwerk „Zwischenstufe Leben – Evolution ohne Ziel“ hatte er zunächst
ohne direkte Bezugnahme auf Teilhard ausführlich dargelegt, daß
gerade auch auf der Basis der modernen Molekularbiologie eine Zielrichtung
der Evolution erkennbar sei, die er durch „Musterwachstum“ belegt sah.
Vor diesem Hintergrund müsse der Mensch seine ethische Verantwortung
erkennen und ergreifen, um zu einer „Gesamtheit“ der „Gestalt“ zu wachsen,
der Bresch den Namen „Omega“ gab. Damit war ihm bis in die Diktion hinein
die Nähe zu Teilhard so deutlich geworden, daß er zusammen mit
dem Theologen H. Riedlinger, einem ausgewiesenen Teilhard-Forscher, dessen
Vision leidenschaftlich förderte und verbreitete.
Aus der unüberschaubaren Zahl der Naturwissenschaftler, die bis
heute die Impulse Teilhards aufgreifen, sei als jüngstes Beispiel
Lothar
Schäfer erwähnt, der in Arkansas (USA) physikalische Chemie
lehrt und sich vor allem mit den Auswirkungen der Quantenphysik in Chemie
und Biologie beschäftigt. Für einen renommierten Physiker eher
ungewöhnlich, plädiert er in seinem Buch „Versteckte Wirklichkeit
– Wie uns die Quantenphysik zur Transzendenz führt“ (2004) entschieden
für eine geistige Interpretation der kosmischen Evolution, die von
der Quantenphysik unabweisbar gefordert sei, uns stützt sich in seinen
Folgerungen vor allem auf Teilhard. Die Offenheit des postmodernen naturwissenschaftlichen
Weltbilds für die Transzendenz deutet einen epochalen Wandel im interdiziplinären
Ringen um die Deutung unserer Existenz an, der Teilhard de Chardin maßgeblich
mitzuverdanken ist.
Ein treuer Sohn der Kirche
Professor L.Schäfer referierte am 21.10.2004 auf einer internationalen Konferenz über Teilhard in Rom, die unter dem Vorsitz des Kardinals Paul Poupard an der päpstlichen Universität Gregoriana stattfand. Papst Johannes Paul II. zitierte Teilhards „Messe über die Welt“ in seiner Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ (Nr. 8, 2003). Zum 50. Todestag Teilhards am 10. April wird sich die internationale Teilhard-Gesellschaft zu einem Kongress in New York, Washington und an seinem Grab am Hudson-River versammeln. Vieles deutet darauf hin, daß Teilhard nicht nur als „treuer Sohn der Kirche“, sondern auch als theologischer Denker stillschweigend rehabilitiert wird wie viele vor ihm. Der für das Lehramt größte Meister Thomas von Aquin wäre wohl der erste, der die fällige Neubegründung der katholischen Theologie auf einen dynamischen Welt- und Materiebegriff begrüßen würde.
Literatur
Broch, Thomas: Denker der Krise – Vermittler von Hoffnung. Würzburg,
2000
Hentschel, Elke: Pierre Teilhard de Chardin. Hamburg, 2004
Lubac, Henri de: Meine Schriften im Rückblick. Einsiedeln, 1996
Schäfer, Lothar: Versteckte Wirklichkeit. Stuttgart, 2004
Schmitz-Moormann, Karl: Pierre Teilhard de Chardin. Mainz, 1996
Teilhard de Chardin, Pierre: Der Mensch im Kosmos. München, 1959
Teilhard de Chardin, Pierre: Das Herz der Materie. Zürich, 1999
Teilhard de Chardin, Pierre : Das göttliche Milieu.
Teilhard de Chardin, Pierre: Notes de retraites. Paris, 2003
Trennert-Helwig, Mathias : Die Urkraft des Kosmos. Freiburg, 1993
Trennert-Helwig, Mathias: The Church as the Axis of Convergence in
Teilhard’s Theology and Life. In: Zygon 30, 1 (1995), S. 73-89
Trennert-Helwig, Mathias: Teilhard de Chardin und Lucile Swan. In:
Von der Suche nach Gott. FS für H. Riedlinger. Stuttgart, 1998, S.
315-335
Aktueller
Bericht:
Abschied vom christlichen Menschenbild?
Tagung der Katholischen Akademie in Bayern
im Kardinal Wendel Haus München
am 25./26. Oktober 2002 zum Thema:
Herausforderungen und Konsequenzen der Neurobiologie
Eindrücke und Reflexionen
von Ludwig Ebersberger
Läßt sich nach den rasanten Fortschritten
der modernen Neurobiologie das menschliche Bewußtsein und alle seine
Phänomene nunmehr als „Produkt der biologischen Evolution" und
damit für naturwissenschaftlich („naturalistisch") erklärbar
erweisen? Diese in der Vorankündigung gestellte Frage ließ sofort
den Verdacht aufkommen, es gehe hier wieder einmal um die falsche Alternative
„Schöpfung oder Evolution". Und in der Tat ließen
lange Strecken dieser Veranstaltung an die Auseinandersetzungen des 19.
Jahrhunderts denken - trotz eines stattlichen Aufgebots gegenwärtig
tonangebender Naturwissenschaftler, Philosophen und Theologen, die sich
hier versammelt hatten, um ihre jeweiligen Auffassungen darzulegen.
Am ersten
Tag hatten Naturwissenschaftler das Wort. Als erster Hauptreferent
war Prof. HANS FLOHR vorgesehen - ein Neurobiologe der Bremer Universität,
der, wie mir berichtet wurde, im Jahr zuvor bei einer Tagung
der Evangelischen Akademie Tutzing (9./ 11. 3.01 in Thurnau/Ofr,) erklärt
hatte, daß der Erfolg des Reduktionismus auch hinsichtlich der Gehirnfunktionen
des Menschen nicht mehr zu bestreiten sei, und er sich daher folgerichtig
als Reduktionist und materialistischer Monist bekenne (Anm.: als reduktionistisch
bezeichnet man alle Versuche, die Gesamtwirklichkeit mittels eines einzigen
Denkmodells, einer einzelnen Methode oder gar vermittels eines einzigen
gedanklichen Prinzips zu „erklären"). Denn Geist oder
Bewußtsein sei eine abgeleitete Größe, und der Mensch
daher doch nur eine Maschine. Auch er sehe darin eine schwere Bedrohung
für das menschliche Selbstverständnis, seine Moral und sein Zusammenleben.
Denn es laufe dies auf eine Entwürdigung des Menschen hinaus,
und er wisse noch nicht, wie dieser Gefahr zu begegnen sei. Denn keine
"materialistische Ethik" könne so tragfähig sein wie die christliche
Ethik. Aber man müsse sich eben den Fakten beugen..
Nun war dieser Standpunkt - als unmittelbare Folge der „Wirklichkeitsteilung" DESCARTES’ in eine „geistige" und eine „materielle" sowie der Denkzwänge des hieraus entstandenen „mechanistischen Weltbildes" - bereits im 17.Jh. unter Naturwissenschaftlern zur gängigen Ansicht geworden, vertreten u.a. durch LA METTRIE („l’homme machine"), LAPLACE und den französischen Revolutions-Arzt CABANIS, dessen berühmte Feststellung „Das Gehirn produziert das Denken wie die Leber die Galle" später durch KARL VOGT (1854) ergänzt und bereichert wurde durch den Zusatz „...und wie die Niere den Urin". Sollte sich an diesen Auffassungen - trotz des zwischenzeitlichen Sturzes des mechanistischen Weltbildes und der damit einhergehenden Revolutionierung sämtlicher theoretischen Grundlagen der Physik und der Biologie - bis heute wirklich nichts grundsätzliches geändert haben?Ich durfte also gespannt sein, was man dem entgegensetzen würde. Indessen mußte FLOHR absagen. Für ihn sprang kurzfristig ERNST PÖPPEL ein - Prof. f. Medizinische Psychologie in München - der, ohne sich groß mit irgendwelchen weltanschaulichen Implikationen aufzuhalten, in sachlicher Form viel bedenkenswertes über neueste Ergebnisse der neurobiologischen Forschung berichtete..
..was (sicherlich nicht ungewollt) bei vielen Zuhörern die - freilich unausgesprochen gebliebene - Frage provoziert haben mag, ob nicht etwa auch die Zeit des Menschen schon in Begriff sei, zu Ende zu gehen. Wird er zugrundegehen an der Hypertrophie seines Gehirnes, die ihn - so wie die Dinge heute stehen - zu einem Krebsgeschwür an seiner Lebensgrundlage, der Biosphäre, entarten ließ? Oder würde er es schaffen, sich mittels Installation beständiger materieller und energetischer Kreisläufe mit der Biosphäre zu einem auf Dauer lebensfähigen Organismus zu verbinden? Was natürlich voraussetzen würde, daß die Menschheit sich auf den Weg fortschreitender Einswerdung begebe. Woraus sich wiederum die Frage ergibt, ob diese völlig neuartigen Aspekte denn nicht auch irgendwie zum Fragenkomplex „Menschenbild" gehören?.
Ja könnte oder müßte in diesem überlebensnotwendigen Einigungsprozeß nicht sogar - wie schon J.G. FICHTE (1800) meinte - die eigentliche Bestimmung des Menschengeschlechtes gesehen werden?
Oder zumindest eine beinahe schon als „naturgesetzlich" zu klassifizierende Lebensbedingung? Und ist diesem Einigungszwang, unter dem die Menschheit nunmehr unwiderruflich und für alle kommenden Zeiten stehen wird, nicht auch eine religiöse Dimension zuzuerkennen?
Leider war gerade hierüber auf der gesamten Tagung rein nichts zu hören..
PÖPPEL berichtete
weiter, daß das menschliche Gehirn nach den gleichen Konstruktionsprinzipien
aufgebaut sei wie die Gehirne aller Tierarten, andrerseits aber mit den
Konstruktionsprinzipien des Computers nichts gemein habe, da jede
einzelne Nervenzelle - von denen der Mensch etwa 150-300 Milliarden
besitze - über direkte Verbindungen 10.000 andere Nervenzellen informieren
könne und umgekehrt von ebenso vielen anderen Nervenzellen direkt
erreicht werde, wobei ein stetes Gleichgewicht zwischen Erregung und Hemmung
unterhalten werde. Dieses gewaltige Netzwerk bewirke, daß für
jede Nervenzelle jede andere in maximal vier Schritten erreichbar sei.
Bemerkenswerterweise gelte ähnliches auch für die gegenwärtige
Menschheit. Setzen wir z.B. die Begrüßung per Handschlag
als „Kontaktereignis", so hat über höchstens vier Zwischenglieder
jeder schon jeden kontaktiert.
Einen breiten Raum
nahmen die anschließenden Erörterungen über das Phänomen
der Prägung ein. Das allermeiste von den Fähigkeiten und im Verhalten
des Menschen werden schon während der Kindheit festgelegt. So sei
z.B. das Erlernen akzentfreien Sprechens einer Fremdsprache jenseits der
Pubertät normalerweise schon nicht mehr möglich. PÖPPEL
sprach sich daher dafür aus, Kinder nach Möglichkeit in
mindestens drei Sprachen zu unterrichten. Entscheidende Bedeutung
hätten Prägungen im besonderen auch im Bereich des Wertens -
jenseits der Kindheit gebe es keine „echten" Bekehrungen mehr. Was die
Bewußtseinsrepräsentanz betreffe, so habe
diese nur 4 „Domänen": 1. Das aktuell Wahrgenommene, 2. Erinnertes,
3. Gefühle, 4. der Wille.
Auch das Freiheitsproblem
wurde kurz angesprochen mit dem Hinweis auf die Diskrepanz zwischen Descartes
(„ich denke..") und Nietzsche („es denkt...").
PÖPPEL überschritt - wissenschaftstheoretisch korrekt- niemals jene Grenze, jenseits deren sich die Unterschiede zwischen „Methode" und „Ergebnis" verwischen. Die Frage aber, deren Diskussion hier eigentlich vorgesehen war, lautete: „beweist" das heute geradezu explosionsartig sich erweiternde Wissen um die materiellen Abhängigkeiten unseres Denkens und Bewußtseins dessen „Unfreiheit", oder verhält es sich damit nicht genau umgekehrt in dem Sinne, daß dieses Wissen menschliche Freiheit geradezu begründe? Nur was uns bewußt wird, ist beherrschbar. Statisch- seinsbezogenes Denken hat hier schon seit PELAGIUS und AUGUSTINUS nichts erbracht als unnützen Streit, der seit KANT eigentlich beendet sein sollte. Behauptungen wie „der Mensch ist frei" und „der Mensch ist unfrei" sind gleich töricht; denn Freiheit ist nicht entweder „da" oder „nicht da". Wahrnehmbar sind nur Unterschiede zwischen Freiheitsgraden, so wie sie sich nach NICOLAI HARTMANN (1950) in der Schichtendistanz manifestieren, etwa im Unterschied zwischen einem Stein und einem Vogel. Freiheit wächst mit der Anzahl und der Qualität determinierender Faktoren; sie ist kein „Zustand", sondern Geschehen. Das bedeutet: der Mensch muß beständig um sie kämpfen. Schon das Sich-Ausliefern an Gewohnheiten bedeutet Verlust an Freiheit. „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss" (GOETHE).
Auf die Erörterung auch dieser Aspekte, die nach einer Artikelserie in der Zschr. „Spektrum der Wissenschaft" die Öffentlichkeit momentan stark beschäftigen wartete man auf dieser Tagung vergeblich..
Anschließend
referierte WOLFG. WILD, Prof. f. Theoret. Physik in München, über
„Rechtfertigen die Erkenntnisse der Physik eine naturalistische Weltdeutung?"
Nach einem kurzem
Überblick über den aktuellen Stand des „Teilchen-Zoos" sprach
er zunächst über sog. „dunkle Materie", („dunkel", weil sie Strahlung
weder abgibt noch reflektiert), deren Vorhandensein seitens der geltenden
Theorien postuliert wird, und die zwei Drittel der Gesamtmasse des Universums
ausmache, sich bisher jedoch in kein weiteres Schema einordnen lasse.
Noch immer sei es nicht gelungen, die Schwerkraft und das Quantenphänomen
unter ein einheitliches theoretisches Dach zu bringen. Man erhoffe sich
dies jedoch möglicherweise von der Super-String-Theorie - einem mathematischen
Gebilde, welches nicht weniger als 11 Raum-Dimensionen postuliere,
von welchen jedoch 7 oder 8 auf winzigste Mikro-Räume beschränkt
sind.
Mir persönlich scheint, daß es sich bei diesen „Dimensionen" um divergierende, nur für das jeweilige Einzelproblem spezifisch zuständige, gleichsam ad hoc erstellte mathematische Modelle (i.S. sog. „Hilbert’scher Räume") handelt, die vor allem eines beweisen: nämlich daß es uns von Natur aus nicht gegeben ist, uns über die „wirkliche" Beschaffenheit des Raumes eine sinnenhafte Vorstellung bilden zu können. Die angestrebte „Super-String-Theorie" ist der Versuch einer Vereinigung aller dieser mathematischen Modelle zu einer „Weltformel".Am Ende seines Referates gab WILD seiner grundsätzlichen Reserviertheit gegenüber naturalistischen Total-Erklärungsversuchen der Welt Ausdruck, wobei er auf LAPLACE (18.Jh.) und E. HAECKEL (19./20.Jh.) hinwies, die gleichfalls diese Illusion gehegt hätten.
Wozu angemerkt sei, daß die „alleserklärende" Weltformel damals im NEWTON’schen Gravitationsgesetz gesehen wurde, und daß jeder, der dies anzweifelte, eo ipso als „Finsterling" galt. Als z.B. der Physiologe DU BOIS-REYMOND sein berühmtes „Ignorabimus" sprach über die letzten Rätsel der Materie und des Bewußtseins (1872), zog dies nach Berichten von Zeitzeugen „einen dicken Schwanz polemischer Literatur hinter sich her"; noch ERNST HAECKEL erregte sich darrüber in seinem Buch „Welträtsel" (1899). Auch HAWKING („Eine kurze Geschichte der Zeit", 1988, S.34) meint am Reduktionismus festhalten zu können. weil, „da die Struktur der Moleküle und ihre wechselseitigen Reaktionen allen chemischen und biologischen Prozessen zugrundeliegt, uns die Quantenmechanik im Prinzip ermöglicht, innerhalb der durch die Unschärferelation gesetzten Grenzen nahezu alles vorauszusagen, was wir um uns herum wahrnehmen", muß aber diesen Anspruch sofort wieder ad absurdum führen durch das (etwas verschämt in Klammern angefügte) Eingeständnis: „In der Praxis sind jedoch die Berechnungen bei Systemen, die mehr als einige wenige Elektronen enthalten, so kompliziert, daß wir sie nicht mehr durchführen können". - Nun aber tummeln sich bereits in einer einzigen lebenden Zelle Billionen und Aberbillionen von Elektronen, deren Wechselwirkungen ausschließlich auf Lebensfunktionen mit einheitlichen Gesamtzielen gerichtet sind im Sinne der Selbst- und Arterhaltung. Wir können die Ergebnisse dieser Wechselwirkungen zwar beschreiben, niemals aber den ihnen zugrundeliegenden Kausalfilz durchdringen oder gar berechnen - was wiederum geradezu fatal an LAPLACE erinnert, der auf der Basis der NEWTON’schen Gesetze jedwedes vergangene und zukünftige Geschehen grundsätzlich für berechenbar hielt, jedoch bereits am Dreikörperproblem scheiterte. Das kausale Denken bleibt zwar weiterhin eine unbedingte methodologische Forderung, muß aber auf jeder jeweils nächst-höheren Gestaltungsstufe auf der Basis der jeweils neu emergierten „irreduziblen" Interaktionsmuster und ihrer jeweiligen Gesetzmäßigkeiten gleichsam immer wieder neu beginnen.WILD begründete seine Skepsis vor dem Reduktionismus abschließend mit einem Zitat aus STEVEN WEINBERGs Schrift „Die ersten drei Minuten" (1977), wonach das Universum „desto sinnloser" erscheine, „je begreiflicher es für uns wird".
Leider ging WILD hierauf nicht näher ein, was ich umso mehr bedauerte, als gerade diese Behauptung WEINBERGs exakt und mit maximaler Schärfe jenen „blinden Fleck" aufdeckt, der allen reduktionistischen Sichtweisen eigen ist. Reduktionismus macht blind gegenüber zahlreichen Wirklichkeitsbereichen, vor allem aber wertblind - wir werden darauf zurückkommen.Das letzte Wort an diesem ersten Tag hatte der unbestrittene Stargast der Veranstaltung: BERNULF KANITSCHEIDER, Prof. f. Philosophie der Naturwissenschaften an der Universität Gießen. Sein Thema lautete: „Naturalismus, metaphysische Illusionen und der Ort der Seele. Grundzüge einer naturalistischen Philosophie und Ethik." Ein glänzender Rhetoriker mit formvollendeten Formulierungen - aber er sprach leider sehr schnell. Eine genauere Analyse seines Vortrages kann daher erst erfolgen, wenn der ganze Text schriftlich vorliegt. Er unterschied zunächst zwischen einem „starken" und einem „schwachen" Naturalismus, wobei ersterer jede Transzendenz leugne mit der Behauptung, daß diese Welt, so wie wir sie vorfinden, alles sei, was es gebe, und letzterer sich auf die Aussage beschränke, daß die Welt materiell und kausal strukturiert sei und es in ihr keine geistigen, vom materiellen Träger abgehobenen Entitäten gebe. Er gab sich hier eher als „harter" Naturalist. Ganz im Sinne WEINBERGs ließ er nichts zu, was auf irgendeine Weise auf einen naturalistisch zu begründenden „Sinn" des Kosmos und seiner Gesetze schließen lasse. Entsprechende Deutungen von Phänomenen wie Komplexität, Emergenz, Stufenbau der materiellen Welt, das anthropische Prinzip u.dgl. - Dauerthemen seit Jahrzehnten - bezeichnete er als überholt, da all dies naturalistisch „erklärbar" sei, ja er wischte sie ohne weitere Erläuterung ganz beiläufig gleichsam in ein paar Halbsätzen vom Tisch.
Womit er zweifellos recht hat. Unerlaubt jedoch ist der Schluß des „harten" Naturalismus, (zu welchem K. eben dennoch neigt), daß es eine „transzendente Welt" nicht gebe. Denn die Bedingungen, die man an eine Methode stellt, können nicht gleichzeitig auch deren Ergebnis sein.Um die Verwendung des Begriffes „Selbstorganisation der Materie" kommt er jedoch nicht herum.
Woraus sich jedoch wiederum Folgerungen eigener Art ergeben. So hätte man hier einhaken können mit der Frage: Setzt nicht schon die bloße Verwendung dieses Begriffes das Vorhandensein von Organisationszielen voraus? Und wie könnten überhaupt Ziele angestrebt werden ohne ein Subjekt, welches Ziele setzt? Das mindeste, was man der Materie zuerkennen muß, ist die ihr innewohnende Potenz zur Selbstorganisation. Aber wo kommt sie her? Das Quant kann dieses Subjekt nicht sein, denn woher soll es „wissen", wann und wohin es im Dienste dieser „Selbst"-Organisations-Ziele springen soll? Um der Notwendigkeit der Annahme einer außerweltlichen intelligenten Ursache zu entgehen, bleibt daher nur der Zufall. Aber auch dieser folgt inhärenten Gesetz-mäßigkeiten. Das weiß nicht nur die Quantenphysik, sondern wußten auch schon die Ganoven des Mittelalters mit ihren gefälschten Würfeln.FAZIT: KANITSCHEIDER vertritt Halbwahrheiten, die sich für die ganze Wahrheit ausgeben. Aber schon GOETHE hatte gesagt: Ein Jahrhundert, das sich bloß auf die Analyse verlegt und sich vor der Synthese gleichsam fürchtet. ist nicht auf dem rechten Wege; denn nur beide zusammen ... machen das Leben in der Wissenschaft.
In Wahrheit sehen wir uns hier einem Stufenbau gegenüber, in welchem auf jeder nächsthöheren Ebene neue, immer umfassender werdende Interaktions- und Synergiemuster emergieren, welche die unteren Stufen zwar zur Bedingung haben, sich aber nicht aus ihnen ableiten oder gar berechnen lassen, und für die, allein schon um sie auch nur beschreiben zu können, jeweils völlig neue Begriffssysteme und Denkmuster entwickelt werden mußten, so daß diesem Stufenbau der Wirklichkeit exaktissime ein Stufenbau der Wissenschaftsbereiche parallel geht, der von der Teilchen- und Nuklearphysik über die Chemie, die Molekularbiologie, die Makrobiologie, die vergleichende Verhaltensforschung bis zu den Humanwissenschaften reicht. Auch für die Sinnfrage ergeben sich hier unabweisbare Folgerungen. Die Frage ist berechtigt: stellt die Realisierung der in die Materie gelegten Potenzen einen Wert dar? Liegt hierin vielleicht der Sinn der Evolution? Der Hauptvorgang bei jedem Schritt der „Selbstorganisation" ist ein Akt der Integration. Diesem Prinzip begegnen wir bereits bei der Vereinigung von Quarks, Nukleonen und Elektronen zu Atomen, es durchzieht den gesamten Stufenbau des Kosmos bis hinauf zum Menschen und darüber hinaus. Denn auch die anfangs erwähnte Bestimmung der Menschheit zur Einswerdung kann nach keinem anderen Prinzip vonstatten gehen als durch Integration.Für KANITSCHEIDER aber besitzen dieser Stufenbau mit allen seinen Phänomenen sowie das daraus ableitbare Ethos keine eigene Realität.
Was nun die geisteswissenschaftlichen
Vorträge des folgenden Tages betrifft, so war zu konstatieren, daß
keiner der Referenten sich aus dem festgefügten Gebäude seines
Fachgebietes so recht hervorwagte.
Prof. Dr. GEORG
WIELAND sprach über die innere Widersprüchlichkeit einer naturalistischen
Ethik..
..die ich aber nur dort sehen kann, wo man den Prämissen WEINBERGs, FLOHRs und KANITSCHEIDERs folgt. Denn das Grundprinzip jeglicher Evolution, die Integration, und alle ihre Effekte entziehen sich - wie schon gesagt - jedweder rein analytisch-reduktionistischen Methodik geradezu vollständig. Auf der heute erreichten Entwicklungsstufe der Menschheit aber sind alle weiteren Integrationsvorgänge an die christlichen Haupttugenden Glaube, Liebe und Hoffnung gebunden. Ein vollständiger - dh. diese Relationen einbeziehender - Naturalismus steht also nicht nur in keinerlei Widerspruch zur christlichen Ethik, sondern es wird diese im Gegenteil sogar von ihm gefordert . Schon THOMAS VON AQUIN sagte „Sein ist einssein". TEILHARDs Sentenz „Créer, c’est unir", die übrigens auch KONRAD LORENZ ohne Einschränkung bejahte, bedeutet nur die Dynamisierung dieser Einsicht. Wer das nicht sehen kann oder will, dem kann man nur noch mit GOETHE antworten:
„Was ist das schwerste von allem? Was Dir das leichteste dünkt: Mit den Augen zu sehen, was vor Augen Dir liegt".Frau Dr. STEPHANIE BOHLEN, eine junge, sympathisch wirkende Professorin für Anthropologie an der kath. Fachhochschule Freiburg, sprach über die Geschichte des „Personbegriffes" von der Antike bis zu Kant, der den Begriff „Personalität" relational auffaßt, und Levinas, der noch radikaler - und mit vollem Recht - lehrt, daß der Mensch ohne den Mitmenschen weder zu einer Reflexion über sich selbst noch überhaupt zu einem Ichbewußtsein gelangen könne. Sie beklagt, daß die Theologie sich nie ganz von den (vom Hellenismus her eingedrungenen) unbiblischen Leib-Seele- Dualismen habe befreien können. Statt „thomistisch" sagt sie stets „thomasianisch", was gleichfalls für ihr vorzügliches „Aggiornamento" spricht .
Zuletzt sprach Prof. Dr.Dr.FRIEDO RICKEN, Prof. f. Geschichte der Philosophie und Ethik an der Hochschule für Philosophie SJ, München. Er rekurrierte vor allem auf Kants Kritik der praktischen Vernunft (1788), die von Anfang an bis heute in hohem Maße vernachlässigt worden sei.
Tatsache ist, daß sogar Heinrich Heine sich darüber lustig machte: Kant sieht seinen Diener Lampe in Tränen über den Tod Gottes. Da erbarmt er sich und „zeigt, dass er nicht nur ein guter Philosoph, sondern auch ein guter Mensch ist", und überlegt: „Der alte Lampe muss einen Gott haben, sonst kann der arme Mensch nicht glücklich sein. Der Mensch soll aber auf der Welt glücklich sein, das sagt die praktische Vernunft - meinetwegen - so mag auch die praktische Vernunft die Existenz Gottes verbürgen." Noch heute sieht, wer ein echter Neukantianer ist, teils mit Verlegenheit, teils auch verächtlich darüber hinweg. Gegen dieses Sich-Einrichten in einem behaglichem „Nicht-wissen--können" vermochten selbst die großen Wert-Ethiker der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts Max Scheler, Nicolai Hartmann und Karl Jaspers nicht anzukommen. Noch immer gelten deren Werke als eine Art gehobener Erbauungsliteratur.RICKEN schloß mit einer wirklich fundamentalen Feststellung, über die nachzudenken sich immer wieder lohnt. Sie lautet: Ohne Werte keine Tatsachen.
In den Beiträgen der abschließenden Podiumsdiskussion war - besonders auf seiten des Publikums - immer wieder ein mehr oder weniger deutliches Durchschlagen sowohl eines immer noch virulenten naiven, noch kaum reflektierten Leib-Seele-Dualismus zu registrieren, als auch einer offenbar nicht auszurottenden „Gott-als-Lückenbüßer"-Mentalität.
Wie lange und wie hartnäckig hat man doch nach „Durchbrechungen von Naturgesetzen" oder „mechanischen Unerklärlichkeiten" als „Beweise" für „Geist" oder „Gott" gesucht, um dann doch immer wieder den Rückzug antreten zu müssen. Welche Perversion, den Beweis der Existenz Gottes nicht in der Natur zu suchen, die doch SEIN Werk ist, sondern in Spuren naturwidriger „Eingriffe"!
Wie aber sagte doch KONRAD LORENZ?
„Wer an einen Gott glaubt - und sei es an den eifersüchtigen, mit den Eigenschaften eines jähzornigen Stammeshäuptlings ausgestatteten Gott Abrahams - weiß immerhin mehr über das Wesen des Kosmos als jeder ontologische Reduktionist.".
Vor der Veranstaltung
hatte ich ein persönliches Gespräch mit KANITSCHEIDER, der mir
ausdrücklich bestätigte, was er später auch in seinem Vortrag
ansprach: daß jede Wissenschaft von unbeweisbaren Voraussetzungen
ausgehen müsse, und daß die Errichtung von Systemen auf der
Grundlage von Axiomen - die stets auch Optionen sind - wissenschaftstheoretisch
legitim ist, sofern man darauf bedacht sei , diese Axiomatik nach Möglichkeit
zu minimieren.
Auf dieser Basis
könnte sich meines Erachtens durchaus ein beträchtliches Potential
an Gesprächsmöglichkeiten mit dem „Naturalismus" ergeben. KANITSCHEIDER
hat dies keineswegs kategorisch verneint.
Wäre es daher
nicht allmählich auch an der Zeit, auf dieser Grundlage das
auf unbegreifliche Weise von beiden Seiten strengst tabuisierte Werk TEILHARDS
DE CHARDIN neu zu bewerten?
TEILHARD spricht
von „deux options primordiales", die sein gesamtes System strukturieren,
und zwar völlig abseits von jeglicher Erörterung ontologischer
oder kausaler Beziehungen; das will besagen: Verzicht sowohl auf vorwegnehmendes
ontologisches Scheinwissen als auch auf die gleichfalls blickverengende
Reduktion auf „kausale" Zusammenhänge, um freien Blick zu bekommen
auf „das ganze Phaenomen".
Diese „Options primordiales"
lauten - in moderne Sprechweise übersetzt -
1. Wert des Psychischen
und des Denkens, das als Potenz in die Materie gelegt ist, 2. Verwirklichung
dieses Wertes auf dem Wege über einen evolutiven Integrationsprozeß,
der im menschlichen Sozialbereich - der „Noosphäre" - auf neuer Stufe
und auf neuen Wegen seine natürliche (biologische) Fortsetzung findet..
Eine auf 12 Bände angelegte deutsche Werkausgabe erschien im Walter-Verlag (Olten/Freiburg i. Br.): Das göttliche Milieu,1962; Die Zukunft des Menschen, 1963; Das Auftreten des Menschen, 1964; Die Schau in die Vergangenheit, 1965; Die menschliche Energie, 1966; Die lebendige Macht der Evolution, 1967; Vom Glück des Daseins, 1969; Wissenschaft und Christus, 1970; Briefe an eine Marxistin, 1971; Briefe an eine Nichtchristin, 1971; Mein Glaube, 1972; Das Herz der Materie. Kernstück einer genialen Weltsicht (im Anhang: Christus in der Materie; Die geistige Potenz der Materie; Hymne an die Materie; Die Messe über die Welt), 1990;
Sammlungen:
Pilger der Zukunft, Neue Reisebriefe, Freiburg 1957; Briefe an Léontine
Zanta, Freiburg i.B. 1967; Das Tor in die Zukunft. Ausgewählte Texte,
herausg. v. Günther Schiwy, München 1984); Briefe an Frauen (Günther
Schiwy; Freiburg i.B. 1988).
Literatur:
C. Tresmontant, Einführung in das Denken T. de C.s, München
1961; A. Guggenberger, T. de C. - Versuch einer Weltsumme, Mainz 1963;
- H.-E. Hengstenberg, Evolution und Schöpfung. Eine Antwort auf den
Evolutionismus T. de C.s, München 1963; - H.-E. Hengstenberg, Untersuchungen
zur Christologie T. de C.s, in: Wissenschaft und Weisheit 26 (1963), 163-179;
L.Ebersberger, Biosphäre-Noosphäre-Punkt Omega, zur Diskussion
um Teilhard de Chardin S.J. in „Ärztliche Mitteilungen- Deutsches
Ärzteblatt" 9/1963;. H.E. Hengstenberg, Mensch und Materie. Zur Problematik
T. de C.s, Stuttgart 1965/1998; Claude Cuénot, Teilhard de Chardin,
Leben und Werk, Walter/Olten 1966. Norbert A. Luyten, Teilhard de Chardin.
Eine neue Wissenschaft? 1966 Freiburg i.B. H. de Lubac, Der Glaube des
T. de C., Wien 1968; Karl Schmitz-Moormann, Die Erbsünde, Olten 1969.
M.Barthélemy-Madaule, Bergson und Teilhard, Olten 1970. A. Haas,
T. de C.-Lexikon. Grundbegriffe, Erläuterungen, Texte, 2 Bde., Freiburg
1971. Ida Friederike Görres, Sohn der Erde: der Mensch Teilhard de
Chardin, Vlg. Josef Knecht, Ffm. 1971. Heimo Dolch, Der Glaube des Teilhard
de Chardin, Zabern 1971. Thomas Broch, Das Problem der Freiheit im Werk
von T. de C., Mainz 1977; Stefan Schneider, Die 'kosmische' Größe
Christi als Ermöglichung seiner universalen Heilswirksamkeit (Cusanus-Ges.
Aschendorf 1980) G. Schiwy, T. de C. Sein Leben und seine Zeit, 2 Bde.,
München 1981/82; Pierre Teilhard de Chardin - Das Tor in die Zukunft,
ausgewählte Texte, Herausgeber Günther Schiwy, München 1984.
T. de C. in der Diskussion, hrsg. von K. Schmitz-Moormann, Darmstadt 1986;
- Th. Broch, P.T. de C. - Wegbereiter des New Age? Mainz/Stuttgart 1989;
G. Schiwy, Der kosmische Christus. Spuren Gottes ins neue Zeitalter, München
1990; L.Ebersberger, Der Mensch und seine Zukunft. Natur- und Humanwissenschaften
nähern sich dem Weltverständnis von T. de C., Olten 1990; M.
Trennert-Hellwig, Die Urkraft des Kosmos. Dimensionen der Liebe im Werk
P.T.s de C., Freiburg 1993. Pia Gyger, Mensch verbinde Erde und Himmel
Luzern/Stuttgart 1993; Trennert-Helwig, Mathias: Die Kirche lieben
- die Kirche erleiden. Zum 40. Todestag von P. Teilhard de Chardin. In:
Geist und Leben 4/1995, S. 289-303; Karl Schmitz-Moormann, Pierre Teilhard
de Chardin. Evolution - die Schöpfung Gottes Mainz 1996; Karl Schmitz-Moormann,
Materie-Leben-Geist. Evolution als Schöpfung Gottes, Mainz 1997;.
Trennert-Helwig, Mathias: Teilhard de Chardin und Lucile Swan. Eine Freundschaft
im Licht ihres Briefwechsels 1932-1955. In:Schmidt, Margot/Dominguez Reboiras,
Fernando (Hg.): Von der Suche nach Gott. Helmut Riedlinger zum 75. Geburtstag,.
Stuttgart : frommann-holzboog, 1998. S. 315-335. L. Ebersberger, Glaubenskrise
und Menschheitskrise, Münster 2000; Thomas Broch, Denker der Krise,
Vermittler von Hoffnung, Pierre Teilhard de Chardin, Würzburg 2000.
Günther Schiwy, Ein Gott im Wandel - Teilhard de Chardin und sein
Bild der Evolution, Düsseldorf 2001
Weitere Sekundärliteratur findet sich unter der Adresse www.bautz.de/bbkl/t/teilhard_d_c_p.shtml
Dr. Mathias Trennert-Hellwig, Die Urkraft
des Kosmos.
Dimensionen der Liebe im Werk PierreTeilhards de
Chardin.
Dissertation. Herder Vlg Freiburg 1993; 551 S. Verarbeitet
und bringt eine große Fülle an Material zur Synthese.
Enthält eine umfangreiche Bibliographie
Dr.Mathias Trennert-Helwig ist Pfarrer in Konstanz.
Seinen Essay "Schöpfung
und Evolution bei Pierre
Teilhard de Chardin" finden Sie hier unter
dem Suchwort "Ttrennert-Helwig"
Der katholische Religionsphilosoph Prof.Eugen Biser,
München,
schrieb hierzu an den Verfasser: „...Nach der ersten
Durchsicht
durch dieses von umfassendem Wissen, kreativer Problemverar-
beitung und geistigem Elan getragenem Werk kann ich
Ihnen
versichern, daß ich nicht nur erfreut, sondern
von dieser konzisen
Gedankenführung wirklich fasziniert bin. Es ist
Ihnen in dieser Unter-
suchung gelungen, einen stringenten Bogen von quantentheore-
tischen Grundlagenfragen bis zu höchst aktuellen
Glaubensfragen
zu schlagen und dabei nicht nur die Aufklärung
schon am Sinai
beginnen zu lassen, sondern scheinbar einander so
fernstehende
Denker wie Thomas und Kant in eine überzeugende
Dialogbezie-
hung zu setzen. Was Sie gerade zu Thomas sagen, gehört
zum
Besten, was ich darüber je gelesen habe. Und
daß ich in Ihrer
Analyse der religiösen Krisenkomplexe mit Ihnen
übereinstimme,
brauche ich gewiß nicht zu betonen, aber noch
weniger, daß ich
mit Ihnen auf die Zukunftsfähigkeit des Glaubens
und desen
Geistes setze"
Dr.rer.nat.Helmut Etzold
Biologe an der Univ, Erlangen
Weiherackerweg 20 91080 Rathsberg bei Erlangen
Telefon 09131 204338